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LEDCity: Nächste Finanzierungsrunde in Planung

DOMBLICK-Interview 20211109 Patrik Deuss CEO LEDCity (zVg)

In der vergangenen Woche gewann das Zürcher PropTech-Unternehmen LEDCity den TrendRadar-Wettbewerb an den NZZ Real Estate Days 2021. Es hat eine intelligente, lokale und energiesparende Lichtsteuerung für Gebäude entwickelt. Wir sprachen mit Gründer und CEO Patrik Deuss über seine Ideen und Zukunftspläne.

Herzlichen Glückwunsch zum Preisgewinn, Patrik! Wie kam es zur Gründung von LEDCity vor gut vier Jahren?

Patrik Deuss: Danke. Zu Studiumszeiten ist uns aufgefallen, dass das Licht in grösseren Gebäuden rund um die Uhr eingeschaltet ist. Weltweit fallen allein rund zwölf Prozent des Elektrizitätsverbrauchs für die Beleuchtung an.

Hier liegt ein riesiges Einsparpotenzial nahezu unangetastet. Denn der Markt hat sich bislang vor allem ausschliesslich auf die LED-Technologie konzentriert. Jedoch nicht auf die weiteren Möglichkeiten, welche diese bietet. Ganz konkret: Das dynamische und stufenlose Verändern der Lichtintensität mittels smarter Sensoren.

Deshalb habe ich zusammen mit unserem heutigen CTO Florian Gärtner-Wyniger einen ersten Prototyp einer energieeffizienten Beleuchtung im Rahmen meiner Bachelor-Arbeit geschaffen. Im Jahr 2017 gründeten wir dann gemeinsam auf dieser Basis die LEDCity AG.

Wo steht Ihr heute und was ist Eure spezielle USP?

Patrik Deuss: Angefangen haben wir eigentlich mit trivialen sensorgesteuerten Produkten. Mittlerweile können wir unseren Kunden weitaus intelligentere Beleuchtungssysteme und eine All-in-one-Lösung per Direktvertrieb anbieten. Im Gegensatz zu heutigen Beleuchtungssystemen mit Bewegungsmeldern, die das Licht sehr träge steuern, passt sich unser sensorgesteuertes Beleuchtungssystem automatisch lokal dem effektiven Bedarf an. Alle Komponenten sind direkt im Leuchtmittel integriert. Dazu zählen auch jeweils rund fünf Sensoren pro Leuchtmittel. Die gesammelten Daten können über das dezentrale Leuchten-Netzwerk in unserem Dashboard ausgewertet und zur Betriebsoptimierung verwendet werden.

Ihr habt 2020 eine erste erfolgreiche Finanzierungsrunde gemacht. Wie sehen die weiteren Pläne aus?

Patrik Deuss: Noch mehr Investoren von LEDCity überzeugen [lacht]. Die finanziellen Mittel unserer Business Angels, der Klimastiftung Schweiz und dem Technologiefonds haben uns bereits geholfen, das Produkt weiter zu optimieren und in erste Märkte ausserhalb der Schweiz zu expandieren. Damit wir weiterhin exponentiell wachsen können, planen wir aktuell die nächste Finanzierungsrunde. Ein sogenanntes «Impact Investment» in der Höhe von mehreren Millionen Euro soll uns dabei helfen, auch international Energie einsparen zu können.

Nach der Deutschschweiz und der Romandie sucht Ihr nun also den Erfolg im Ausland. Wie sehen die nächsten strategischen Schritte aus?

Patrik Deuss: Die internationale Expansion hat bei uns neben der Produktentwicklung aktuell die höchste Priorität. Denn der Klimawandel ist kein nationales, sondern ein globales Problem. In Europa konzentrieren wir uns vorerst auf Länder mit den höchsten Energiekosten: Deutschland und Spanien. Seit September haben wir die LEDCity Deutschland GmbH gegründet und einen Head of Sales dort eingestellt. In Spanien sind wir jetzt noch auf der Suche nach weiterer Unterstützung vor Ort.

Unsere grundlegende Vision ist es, den weltweiten Elektrizitätsverbrauch der Beleuchtung um 80 Prozent zu reduzieren. Daher soll sich unsere Beleuchtungslösung in Industrieländern mit einem besonders hohen Energieverbrauch verbreiten. Aber zugleich auch in Entwicklungsländern, für die es ebenso wichtig ist, ihre Energiekosten zu senken.

Wo kommt konkret das Einsparpotenzial durch die Nutzung Eurer LED-Technik her?

Nehmen wir als Beispiel das Dolder Grand, eines der bekanntesten Luxus-Hotels in der Schweiz. Der Hotelbetreiber hat einen Grossteil der Beleuchtung in der Tiefgarage, Treppenhaus und Korridoren auf unser intelligentes Beleuchtungssystem umgerüstet. Dafür hat das Hotel rund 140.000 Franken investiert. Und dies hat nicht nur für die Umwelt positive Folgen. Die Umrüstung resultiert in einer totalen Energieersparnis von 51.000 Franken pro Jahr dank 85 Prozent Energieersparung. Die anfängliche Investition hat sich so bereits innerhalb von drei Jahren amortisiert.

Wie viele Mitarbeitende hat derzeit LEDCity und aus welchen Bereichen, Regionen und Ländern kommen sie?

Mittlerweile sind wir ein bunt gemischtes Team von 29 Personen. Wir unterscheiden uns vom Alter, von den Nationalitäten und den Erfahrungen. Was uns jedoch vereint, ist der Spirit und die Motivation, etwas Grosses zu bewegen und uns für eine energieeffiziente Zukunft einzusetzen. Für uns ist es immer noch unwirklich, wenn wir daran denken, dass wir vor ein paar Jahren zu zweit im WG-Zimmer angefangen haben mit dem Tüfteln. Jetzt sind wir aktuell mit zwei Büros im Zürcher Technopark, die schon fast zu klein geworden sind. Da unser Team dieses Jahr noch weiter wachsen soll, sind wir stetig auf der Suche nach Talenten – und nach einem grösseren und zentraleren Büro in Zürich.

Wo siehst Du Schnittmengen bzw. Kooperationsmöglichkeiten mit anderen technischen bzw. digitalen Gebäudelösungen?

Sensoren haben wir viele, Daten daher auch. Aber einer der grössten Herausforderungen ist es, aus der Datenflut einen sinnvollen Mehrwert zu generieren. Wir haben für unsere Kunden die Möglichkeit entwickelt, dass sie die gesammelten Daten, wie Personenbewegung, Lufttemperatur, CO2-Gehalt etc., auf unserem Dashboard auswerten und für ihre Betriebsoptimierung verwenden können. Und dies geht weit über die Beleuchtung hinaus. Sei es die Substituierung von Sicherheitssystemen, das Planen des Reinigungsaufwandes oder die Lüftungsoptimierung. Für uns gilt daher: Die Sensoren sollen nicht nur für die bedarfsgerechte Beleuchtung genutzt werden, sondern auch für diverse weitere Anwendungsgebiete in Gebäuden.

Vielen Dank, Patrik, für das sehr interessante Gespräch.

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