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PropTech-Branche: Stresstest bestanden

Swiss PropTech Study 2021_Coverbild (c) Credit Suisse

Die Researcher der Schweizer Grossbank Credit Suisse haben zusammen mit dem Schweizer Innovationsnetzwerk SwissPropTech zum vierten Mal den Puls in der PropTech-Industrie gefühlt. Eines der Ergebnisse: Die Corona-Krise hatte nur kurzfristige Folgen, die Digitalisierung der Immobilienbranche schreitet trotz Pandemie weiter voran.

«COVID-19 war die erste grosse Bewährungsprobe für die junge PropTech-Branche», sagte Fredy Hasenmaile, Head Real Estate Economics bei der Schweizer Grossbank Credit Suisse, gestern (21. Juni 2021) anlässlich der Vorstellung der jüngsten PropTech-Studie, die in Kooperation mit dem Schweizer Innovationsnetzwerk SwissPropTech entstand. Viele Immobilienunternehmen seien durch die Pandemie stark beeinträchtigt worden und hätten Innovationsprojekte auf Eis gelegt, so Hasenmaile. Entsprechend hätten viele PropTechs hart kämpfen müssen, um ihre Projekte weiterführen zu können. «Zudem sank die Risikobereitschaft der Investoren stark», erklärte der Immobilienwirtschaftsexperte.

Vertrauen in PropTechs auf neuem Höchstwert

«2020 war ein herausforderndes Jahr für PropTech-Unternehmen. Doch die Branche hat die Herausforderung gemeistert, ist im vergangenen Jahr stark gewachsen und sollte letztlich vom Schwenk des Immobiliensektors hin zu digitalen Lösungen deutlich profitieren», so Hasenmaile weiter. Dennoch würden es nicht alle PropTech-Firmen schaffen, sich mittel- bis langfristig am Markt zu behaupten.

Vorübergehend habe die PropTech-Branche im vergangenen Jahr weltweit betrachtet «den Atem angehalten», erklären die Initiatoren und Autoren des vierten SwissPropTech Reports auf Grundlage der jüngsten Studie. So stürzte etwa der globale PropTech Confidence Index, der regelmässig von der Venture-Capital-Firma MetaProp erstellt wird, Mitte 2020 ab, sowohl in der Einschätzung der PropTech-CEOs als auch der Investoren. Doch der Vertrauensindex erholte sich recht schnell und stieg sogar wieder Ende 2020 auf ein nie zuvor gesehenes Niveau.

Einige Ergebnisse der vierten PropTech-Studie*

> Knapp 80 Prozent der befragten PropTechs haben die Zahl der Mitarbeiterzahl in den vergangenen zwölf Monaten weiter erhöht (im Schnitt um 71%).
> 87 Prozent erwarten in den kommenden zwölf Monaten weitere Personalaufstockungen, in einigen Fällen sogar mehr als eine Verdoppelung der Belegschaft.
> Über 90 Prozent erzielten im vergangenen Jahr einen Umsatzanstieg, dabei fast 80 Prozent ein Umsatzplus von mehr als fünf Prozent.
> Für 2021 erwarten nur 3,4 Prozent der befragten PropTechs einen Umsatzrückgang. Und auch für 2022 und 2023 wird ein höheres Umsatzwachstum als 2020 erwartet.
> Die Zahl der PropTechs, welche die Immobilienbranche als «sehr aufgeschlossen» wahrnehmen, ist im Jahresvergleich von elf auf 20 Prozent gestiegen. Insbesondere PropTechs aus den Bereichen Asset Management, Marktplätze/Plattformen und Smart Building/IoT bekundeten ein hohes Interesse an ihren Lösungen.

Digitale Schnittstellen sind «must have»

«COVID-19 sollte sich letztlich eher als Segen und nicht als Fluch für die Branche herausstellen», erläuterte Hasenmaile. Die Corona-Krise habe nicht nur die digitale Transformation in der Immobilienbranche deutlich beschleunigt. Aber eben auch die Vorteile der Digitalisierung für die breite Öffentlichkeit klar aufgezeigt. Generell hätten viele Immobilienunternehmen ihre Einstellung zu digitalen Technologien deutlich verändert und die Weichen neu gestellt. Als Folge der Pandemie sei nun die «digitale Konnektivität» vielerorts ein «must have» und nicht mehr nur ein «nice to have».

Die vorübergehend gedrückte Stimmung spiegelte sich im vergangenen Jahr auch im Volumen des weltweit in PropTech-Startups investierten Risikokapitals wider: Nach Angaben des Center for Real Estate Technology & Innovation (CRETI) sank dieses um knapp ein Viertel auf 23,8 Mrd. US-Dollar. Die Investitionen konzentrierten sich tendenziell mehr auf grössere Deals und spätere Einstiegszeitpunkte. Dies sei aufgrund der Unsicherheit und der dadurch leicht gesunkenen Risikobereitschaft zu erwarten gewesen. Dies entspreche letztlich auch in etwa dem weltweiten Rückgang der Investitionstätigkeit im Immobiliensektor allgemein, so die Studienautoren.

Weiterhin hohe Schweizer PropTech-Quote

In der Schweiz wächst unterdessen die Zahl der dort tätigen PropTechs weiterhin stark – wenn auch nicht mehr ganz so rasant. Die «PropTech Map Switzerland», die regelmässig von Digitalexperte Heinz M. Schwyter publiziert wird, zählt mittlerweile über 320 Einträge. Damit hat die Schweiz im internationalen Vergleich eine aussergewöhnlich hohe Dichte an PropTechs. Zum Vergleich: Deutschland, gemäss Einwohnerzahl ein um den Faktor zehn grösseres Land, zählte mit 330 PropTechs nur geringfügig mehr.

* Die Online-Umfrage erfolgte im Mai 2021 und richtete sich an gesamthaft 284 PropTech-Unternehmungen mit Geschäftsaktivitäten in der Schweiz. Die Rücklaufquote betrug 22 Prozent (absolute Zahl: 62) aus allen PropTech-Kategorien.
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