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SwissPropTech: «Es braucht ein umfassendes digitales Immobilien-Ökosystem»

DOMBLICK-Interview - Lars Sommerer - SwissPropTech - VÖD 20210301 - Bildcredits

Mit dem neuen Jahr 2021 hat Lars Sommerer als Managing Director das Ruder an der Spitze des Schweizer Innovationsnetzwerks SwissPropTech übernommen. Er stellt im DOMBLICK-Interview seine Ideen, Visionen und Pläne für die Zukunft des Netzwerks für die Bau- und Immobilienbranche vor.

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Lars Sommerer ist neuer Managing Director des Schweizer Innovationsnetzwerks SwissPropTech

Lars, seit Jahresbeginn bist Du der neue Kopf von SwissPropTech. Was bedeutet das für Dich?

Lars Sommerer: In den vergangenen Jahren habe ich mit grossem Interesse und mit Spannung die Entwicklungen in diesem Bereich verfolgt. Interessant fand und finde ich dabei immer noch, wieviel Innovationskraft die Schweiz hier hat. Man muss sich mal vor Augen halten: ein Land mit 8,6 Millionen Menschen bringt es hier auf mehr als 250 Startups und auch dieses Jahr werden sicherlich wieder einige neue dazukommen. Dieses PropTech-Potenzial gepaart mit dem anhaltenden Digitalisierungsbedarf bei den etablierten kleinen und grossen Unternehmungen in der Branche, das ist ein super Match und das will ich mit SwissPropTech auch weiter fördern, so wie es das Innovationsnetzwerk der Immobilienwirtschaft auch schon in den letzten Jahren erfolgreich getan hat. Das ist ein wichtiges Ziel und dazu kommen aber auch noch andere wichtige Faktoren…

«Die Lust aufs Investment in PropTech-Lösungen ist wieder vorhanden.»

Wie zum Beispiel?

Weitere wichtige Faktoren bei den PropTechs sind einerseits die Finanzierung und andererseits die Kommunikation und das Selbstmarketing. Im 2020, das wohl als das Corona-Jahr in die Geschichtsbücher eingehen wird, gab es mit dem Ausbruch der Pandemie eine grosse Unsicherheit. Die Folge: Viele Startups wussten nicht, ob das Kapital für eine allfällige Durststrecke ausreicht. Manche Venture-Capital-Geber haben ihre Zusagen von heute auf morgen zurückgezogen und damit die PropTechs unter Druck gesetzt. Glücklicherweise haben wir im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres gesehen, dass das Vertrauen wieder zurückkehrt und auch die Lust aufs Investment in PropTech-Lösungen wieder vorhanden ist.

Und die Themen Marketing und Kommunikation?

Hier sehe ich einen weiteren wichtigen Schwerpunkt. Viele junge Firmen denken in erster Linie an die Skalierung ihres Geschäftsmodells. Gründer sind intelligente Innovatoren, aber wenn es um das Marketing und die Kommunikation geht, sind viele aufgeschmissen. Bei vielen hat es hierfür auch nur geringes Budget. Doch im Stillen vor sich hin zu schaffen, ohne dass es die Menschen in der Branche bemerken, das ist nicht zuträglich für den Erfolg. Hier wollen wir mit SwissPropTech und unserem Partnernetzwerk Swiss Circle helfen und die Bühne bieten, damit sich PropTechs darstellen können, wie etwa kürzlich an der SwissPropTech Meetup Session während der IMMO’21 oder im Herbst dann auf dem Swiss Real Estate Innovation Day. Darüber hinaus bieten wir unseren Membern und Partnern über verschiedene Marketing-Massnahmen Support an oder auch mit unserer neuen SwissPropTech Member Database.

Wird es dieses Jahr denn auch wieder einen SwissPropTech Day geben?

Ja, definitiv. Wir müssen uns jedoch der Pandemie-Lage anpassen und entsprechend wird es entweder ein physisches oder digitales Event sein. Dies muss sich zeigen und wir können da auch recht kurzfristig reagieren. Nach dem momentanen Stand wird es den SwissPropTech Day 2021 am 21. Juni 2021 geben und wir werden schon in den nächsten Tagen und Wochen unsere Netzwerk-Mitglieder zur Teilnahme einladen und die potenziellen Besucher aus der Branche ansprechen.

«PropTechs müssen nützliche Kooperationen und Kollaborationen ins Auge zu fassen.»

Welche Möglichkeiten für PropTech-Präsentationen und -Pitches gibt es darüber hinaus?

Wir hoffen sehr, dass dieses Jahr auch wieder die Internationalen Immobilienmessen MIPIM in Cannes in Frankreich (8. bis 11. Juni 2021) und EXPO REAL in München in Deutschland (11. bis 13. Oktober 2021) vor Ort stattfinden können. Dort sind wir jeweils am Stand von Swiss Circle dabei und bieten Schweizer PropTechs und Mitgliedern unseres Netzwerks die Chance, international wertvolle Kontakte zu knüpfen. Das PropTech-Business macht nicht an Landesgrenzen Halt. Wichtig ist es, darüber hinaus zu schauen: vielleicht auch aus Gründen der Konkurrenzbeobachtung, aber vor allem auch aus dem Gedanken, allfällige nützliche Kooperationen und Kollaborationen ins Auge zu fassen.

Wie könnte das konkret aussehen?

Die Schweiz wird ja vielerorts als Insel inmitten des europäischen Kontinents gesehen. Doch in vielen Bereichen ist dieses Bild falsch. Vor allem und gerade auch im PropTech-Segment. Digitale Insellösungen schaffen nicht das nächste milliardenschwere Unicorn. Bereits in den vergangenen Jahren hat sich verstärkt gezeigt, dass Zusammenarbeit der PropTechs untereinander und Plattformen mit mehreren kombinierten neuen Ideen und Innovationen die besten Lösungen hervorbringen. So wie die ganze Bau- und Immobilienbranche ein ökonomisches System in sich ist, braucht es für unsere Industrie auch ein umfassendes digitales Immobilien-Ökosystem. Wie schnell dieses zu verwirklichen ist, werden uns die kommenden Jahre zeigen, und wir wollen diese Entwicklungen mit SwissPropTech national wie international hautnah begleiten.

Das hört sich schwierig an in Zeiten von Corona und Kontaktbeschränkungen…

Wir beobachten, was sich in der PropTech-Branche und drumherum tut, ganz genau. Diese Entwicklungen zeigen wir in unserem Mitgliederkreis und auf unseren physischen Events und Online-Meetups konsequent auf und geben hier sehr gern Tipps und nützliche Hinweise für den Business-Alltag. Zudem zeigen wir verstärkt auch auf LinkedIn Erfolgsstories wie auch wichtige Hintergrundinformationen zu den grossen Zukunftsthemen der Bau- und Immobilienbranche wie etwa Building Information Modeling (BIM) und Environmental Social Governance (ESG). Ich persönlich freue mich auf die kommenden Monate und Jahre, denn die Bau- und Immobilienwirtschaft befindet sich erst noch am Anfang eines langen Digitalisierungsprozesses, der wohl eine ganze Generation in Anspruch nimmt und in dem die Branchenakteure Unterstützung und Orientierung brauchen.

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