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The Embasssies: Neue «Botschaften» für die Babyboomer

DOMBLICK-Beitrag The Embassies of Good Living - Bild_Gründertrio (c) zVg

Das Zürcher Startup The Embassies of Good Living plant bis 2030 weltweit 30 Standorte mit Coliving-Konzepten für die Generation 60plus. Nach dem Einstieg des Porsche-Konzerns als Company Builder werden jetzt geeignete Gebäude gesucht.

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert lebt und wohnt der heute 74-jährige Musiker und Sänger Udo Lindenberg im Hotel. Sein Refugium, zu dem er nach Tourneen und Fernsehauftritten zurückkehrt, befindet sich in einem Seitentrakt eines Hamburger Nobelhotels. Die Lobby dort ist für ihn sein öffentliches Wohnzimmer. Selbst die Corona-Pandemie brachte ihn nur für kurze Zeit – als das «Hotel Atlantic» wie alle anderen Übernachtungsbetriebe in Deutschland im Lockdown schliessen musste – in eine andere Unterkunft. So wie den jung gebliebenen Altrocker Lindenberg zieht es mittlerweile auch viele wohlbetuchte «Silver Ager» der Babyboomer-Generation in Hotels und Serviced Apartments bei ihren Reisen um den Globus.

30 Standorte in Planung

Diese Zielgruppe der zwischen 1946 und 1964 Geborenen peilt jetzt das Zürcher Start-up The Embassies of Good Living mit einem sehr speziell zugeschnittenen Coliving-Konzept an. Die drei Gründer Jan Garde, Henning Weiss und James Bryan Graves, die die Firma 2018 gemeinsam aus der Taufe hoben und in den vergangenen zwei Jahren das Unternehmenskonzept detailreich ausfeilten, starten jetzt mit ihrer Idee in die Realisierungsphase. «2022 werden wir voraussichtlich die erste Location in Europa eröffnen. Bis 2030 sollen weltweit rund 30 Standorte entstehen», sagt Garde.

Das Geschäftsmodell von The Embassies sei nicht nur global skalierbar, sondern mit seiner Mischung aus gewerblicher und Wohnraumnutzung, vor allem durch planbare Langzeitvermietungen, «eine nachhaltige und innovative Nutzungsalternative». Und mit Forward31, dem Company Builder des Stuttgarter Porsche-Konzerns, habe man jetzt seit Kurzem einen neuen und soliden Partner an Bord und damit auch eine solide Basis für den offiziellen Markteintritt des Coliving-Konzeptes für die «Best Ager», erklärt der Gründer.

Porsche als strategischer Partner

Mit dem Zürcher Start-up hat Porsches Forward31 im März sein Portfolio im Bereich zukünftiges Wohnen erweitert. «Das Schweizer Unternehmen The Embassies entwickelt eine digitale Plattform sowie bewohnbare Räumlichkeiten, die ein flexibel gestaltbares und hochwertiges Wohnen bieten», sagt Christian Knörle, Head of Company Building bei Porsche Digital. « Damit greifen wir den Megatrend auf, einer weltweit älter werdenden Gesellschaft einen gehobenen Lebensstil im Ruhestand zu ermöglichen. Dabei verstehen wir die Zeit nach dem Arbeiten als eine Reise, auf die man sich freuen kann», erklärt Knörle. Forward31 entwickele nun gemeinsam mit dem dreiköpfigen Gründerteam das Geschäftsmodell weiter und begleite das junge Unternehmen in Zukunft als strategischer Partner.

Den Auf- und Ausbau eines Startup-Ökosystems sieht der Automobilkonzern Knörle zufolge «als zentralen Strategiebaustein für seine künftige Innovationskraft». Neben dem eigenständigen Aufbau von Unternehmen über den Company Builder Forward31 nutzt der Sportwagenhersteller aus Schwaben verschiedene weitere Instrumente. Über seine Investitionseinheit Porsche Ventures beteiligt sich das Unternehmen etwa direkt an Start-ups mit Potenzial. Über das Accelerator-Programm APX, ein Joint Venture zwischen Porsche und dem deutschen Medienunternehmen Axel Springer, fokussiert sich Porsche auf die Weiterentwicklung von Unternehmen, die sich in einer frühen Gründungsphase befinden. Zudem ist der Wagenbauer Partner der offenen Innovationsplattform «Start-up Autobahn».

Sophisticated Coliving

«Mit The Embassies of Good Living kuratieren wir Premium-Coliving-Experiences für die Babyboomer-Generation in den aufregendsten Städten dieser Welt», sagt Jan Garde. Das sieht dann nach seiner Vorstellung wie folgt aus: Coliving in designorientierten Serviced Apartments mit öffentlich zugänglichen Gastronomie- und Freizeitangeboten, hinzu kommen ein Ambassadors Club, der Reisen zu und Kurzzeitwohnen in den anderen «Botschaftsgebäuden» auf der ganzen Welt ermöglicht, sowie ein umfangreiches kulturelles Event-, Fitness- und Wellnessprogramm, bei dem man auf andere spannende Menschen, auch aus anderen Generationen, trifft.

«Das alles wird zusammengefasst unter einem Dach, in einem globalen Netzwerk, unter einer Marke», so Gardes Vision. Konkret sollen in einem Gebäudekomplex ein qualitativ hochstehendes Gastronomieangebot, ein Members Club und Wohnapartments mit On-Demand-Services und weiteren Annehmlichkeiten unter einem Dach zu finden sein. Garde nennt diese Dienstleistungen neudeutsch Living-as-a-Service (LaaS) beziehungsweise Community-as-a-Service (CaaS). Diese werden ergänzt durch eine digitale Plattform, die mit Hilfe von Artificial Intelligence (AI) für ein erstklassiges und individualisiertes Kundenerlebnis sorgen soll.

Gesuchte Destinationen

«Die Clubmitglieder haben dabei etwa die Möglichkeit, ihre Alltagspräferenzen zu hinterlegen und ihre Aktivitäten zu planen.» Dazu zählten beispielsweise Aufenthalte in anderen Embassies-Standorten weltweit, aber auch Wellness- oder Arzttermine sowie das optionale und optimale Buchen vielfältiger anderer Dienstleistungen, die den Babyboomern das Leben einfacher und abwechslungsreicher gestalten. «Das Angebot von The Embassies richtet sich an die steigende Zahl unabhängiger, aktiver und jung gebliebener Menschen, die das gute Leben und einen selbstbestimmten Lebensstil zu schätzen wissen», erläutert Garde.

Mit dem Einstieg des schwäbischen Autobauers ergebe sich nun die Möglichkeit für die Gründer von The Embassies, konkret auf die Suche nach den geeigneten Pilotprojekt-Immobilien zu gehen. In den vergangenen Monaten wurden bereits erste Liegenschaften in Zürich, Berlin und London unter die Lupe genommen. Für die infrage kommenden Objekte gibt es Garde zufolge «ein recht einfaches Anforderungsprofil»; gesucht würden «Bestandsgebäude mit 5.000 bis 10.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, zentrale Lage und ein vitales Umfeld». «Eben dort, wo das Leben spielt», so Garde.

Lang laufende Mietverträge

Generell wolle man im Rahmen einer Single-Tenant-Struktur Mietverträge auf eine Dauer von 20 Jahren fixiert und auch gern länger abschliessen. «Die aktuelle Situation auf den Immobilienmärkten ermöglicht uns einige attraktive Opportunitäten», sagt Garde und spielt damit auf den durch die Pandemie in Bedrängnis gekommenen Hospitality-, Retail- und Office-Bereich an. «Wir schaffen unser Angebot für Menschen, die so lange wie möglich ein selbstbestimmtes, erfülltes und gesundes Leben führen möchten», sagt The Embassies-Gründer Jan Garde. «Gemeinsam mit unserem Partner Forward31 möchten wir unseren zukünftigen Bewohnern ein innovatives Wohnerlebnis ermöglichen, das zu ihrem Lebensstil und -standard passt. Sei es nun als Short- oder als Long Stay, sei es in San Francisco, in New York, London, Zürich, Kopenhagen oder Berlin.» Auf diese Coliving-Städteliste liesse sich sicher auch die deutsche Hafenstadt und Millionenmetropole Hamburg setzen. Vielleicht würde dann sogar noch Altrocker Udo Lindenberg auf diesen ganz speziellen Sonderzug für «Silver Ager» aufspringen…

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