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Digitale Ökosysteme rund ums Wohnen

DOMBLICK-Beitrag Real Estate Brains #17 - Ökosysteme Wohnen_VÖD 20200910

IoT, Sensorik und neue Schnittstellenlösungen bringen Bewegung in den Wohnimmobilienmarkt. Smartes Wohnen wird dank Ökosysteme und neuer Plattformen mehr und mehr zur Realität. Die jüngste Online-Veranstaltung «Real Estate Brains» zeigte Potenziale wie Risiken auf.

«Wir bieten ja nur die Hülle für das Wohnen, alles andere machen andere.» Matthias Herter, Geschäftsführungsvorsitzender der Meravis Immobiliengruppe aus Hannover, brachte es auf den Punkt: das veraltete Verständnis von Immobilienbesitzern, -verwaltern und -vermietern. Doch dies ändere sich nun zusehends. «Wir müssen uns wandeln zum Dienstleister des Mieters. Leider hat sich vielerorts das Bild festgesetzt, dass der Vermieter der beste Feind des Mieters ist. Dies muss sich ändern», so Herter zu Beginn der 17. Edition der Online-Diskussionsrunde «Real Estate Brains», die von der Swiss Circle AG zusammen mit SwissPropTech und Builtworld initiiert wurde.

Herters Immobiliengruppe Meravis hat sich zum Ziel gesetzt, die dank der Digitalisierung anhaltende Veränderung in der Immobilienwirtschaft aktiv mitzugestalten. «Denn wenn wir das nicht tun, dann kommen die GAFA-Konzerne, also Google, Apple, Facebook, Amazon aus dem Westen und Alibaba und Co. aus dem Osten und dringen in unseren Markt ein.» Viele Mitbewerber würden da noch in einer «Auenwelt» leben und denken, alles sei ok. Meravis wolle hier Gegensteuer geben und zukunftsorientierte Wohnungen mit digitalen Lösungen und Services anbieten. Hierfür habe man mit Spiri.Bo sogar ein eigenes PropTech-Unternehmen gegründet, so Herter.

«Hausaufgaben machen!»

Die Meravis Immobiliengruppe mit rund 200 Mitarbeitenden ist ein überregional tätiger Immobiliendienstleister im Norden Deutschlands und seit 70 Jahren auf dem Markt tätig. Zu ihren Geschäftsfeldern zählt sie Vermietung, Verwaltung, Neubau, Projektierung und Verkauf. Meravis betreut derzeit circa 12.000 eigene und 1.000 fremde Wohn- und Gewerbeeinheiten. Als Projektentwickler hat die Gruppe bis anhin im Siedlungsbau und als Partner für Stadtentwicklung über 23.000 Wohneinheiten realisiert.

Ziel der neuen digitalen Strategie von Meravis sei es Smarthome-Technologien und -Lösungen sowie Vorreiter bei Abwicklungs- und Automatisierungsprozesse in der Wohnungswirtschaft zu werden. «Durch die PropTech-Szene ist in den letzten fünf, sechs Jahren viel Druck in die Branche gekommen. Jetzt ist es an der Zeit, unsere Hausaufgaben zu machen und der Fragmentierung im Wohnungsmarkt Einhalt zu gebieten.»

Auch Michael Hügli, bis vor Kurzem Leiter Ökosystem Wohnen bei der schweizerischen Mobiliar Versicherungsgruppe und seit Anfang September Managing Director des Schweizer PropTechs Buildigo, sieht die Integration einer Vielzahl von digitalen Lösungen als Königsweg für die Immobilienbranche an. Die Mobiliar habe hier den entscheidenden Schritt mit dem Software-Anbieter Garaio REM gemacht. Zudem investiere der Versicherer in aufstrebende junge Firmen mit neuen und frischen Ideen. Eine davon ist Buildigo, die Handwerkerplattform, eine andere aroov, eine Applikation, die Bewirtschafter und Mieter verbindet und den gesamten Mietzyklus abdeckt.

Ideen rund ums Kerngeschäft

Die Entscheidung bei der Mobiliar, vom Kerngeschäft weg den Blick weiter schweifen zu lassen, sei vor rund zwei Jahren getroffen worden. Damals begann der Schritt ins Digitale mit der Mängellisten-Applikation Lizzy, die von Mietern und Bewirtschaftern sehr gut angenommen worden sei, so Hügli. Danach habe sich gezeigt, dass mehr und mehr digitale Lösungen nachgefragt wurden. Als Anbieter von Gebäude- und Hausratversicherungen habe man erkannt, dass es sich nicht lohnt, auf den Kunden zu warten, sondern dass man dorthin gehen muss, wo die Kunden sind. So sei die Idee vom Ökosystem Wohnen entstanden. «Eine solche Plattform kann aber nur funktionieren, wenn sie auch Mehrwert bringt und Convenience bietet», erklärt er. Dies seien wichtige Gründe, weshalb die Mobiliar beständig auf der Suche nach sich ergänzenden digitalen Lösungen sei.

Kathrin Rust, CEO der Firma e2work und Leiterin Business Development bei der Enercity AG, einem Anbieter von nachhaltigen und intelligenten Energielösungen, denkt ähnlich wie Herter und Hügli, kommt aber aus einer ganz anderen Ecke: der Energiebranche. Ihr Konzern zählt mit einem Umsatz von rund 3,1 Milliarden Euro (2019) und rund 2.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu den grössten kommunalen Energiedienstleistern Deutschlands und versorgt in der Region Hannover rund eine Million Menschen mit Strom, Wärme, Erdgas und Trinkwasser.

Mit e2work bietet Enercity zudem energienahe Services rund um Elektromobilität, Energieeffizienz, dezentrale Kundenlösungen, Telekommunikation und smarte Infrastruktur an. Hier will Rust im Wohnimmobiliensegment punkten und bietet E-Ladestationen für Ein- und Mehrfamilienhäuser an. Zugleich hat sie aber auch den gewerblichen Immobilienmarkt im Fokus. So benötigten etwa Firmen für die Elektrofahrzeugeflotte eigene Ladestationen in Firmennähe. Zudem setzt Enercity hier auf grüne E-Carsharing-Modelle für die Arbeitgeber.

IoT und Konnektivität wichtig

Software-Entwickler Yüksel Sirmasac, CEO der Kölner Firma Rockethome, stellte als vierter Referent der 17. Ausgabe der Online-Veranstaltung Real Estate Brains schliesslich das Bindeglied für alle neuen technologischen und digitalen Lösungen dar, die Versicherer, Energiedienstleister und andere Akteure der Immobilienwirtschaft anbieten und anstreben. «Wir sehen, dass es noch viele Geschäftsführer gibt, die digitalresistent sind. Vieles ist schon in Bewegung, aber Vieles eben auch nicht», sagt Sirmasac und sieht in der Branche noch grosses Aufholpotenzial, was Internet of Things (IoT), Sensorik sowie Hard- und Software-Lösungen und -Komponenten angeht. Die Frage nach der Konnektivität sei entscheidend, so Sirmasac, hier dürfe man in Europa gegenüber den von Herter eingangs erwähnten Angreifern aus West und Ost technisch wie strategisch nicht ins Hintertreffen geraten. Denn sonst werde das künftige Ökosystem Wohnen woanders entwickelt – und gesteuert.

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