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FIABCI Weltkongress: Digitale Grüsse aus Moskau

Beim 70. FIABCI-Weltkongress in der russischen Hauptstadt war auch eine 15-köpfige Schweizer Delegation des internationalen Immobilienverbands vor Ort. Sie erhielt viele neue Einblicke, vor allem auch was im digitalen Zeitalter auf uns zukommt.

«Wenn wir nicht aufpassen, wird in den kommenden Jahren kein Stein auf dem anderen bleiben», staunt Thomas H. Henle, Präsident der Schweizer Sektion von FIABCI (Fédération Internationale des Administrateurs de Biens Conseils et Agent Immobiliers), dem internationalen Dachverband der Immobilienberufe. «Die grossen Internetkonzerne Google, Amazon, Facebook und Apple, aber auch branchennahe Player, wie z.B. Airbnb, stehen in den Startlöchern und werden in nicht allzu ferner Zukunft in viele Bereiche der Immobilienbranche vordringen. Soviel steht fest.»

«Mehrere grosse globale Trends erkennbar»

Henles Resümee am dritten Tag des FIABCI-Weltkongresses Ende Mai in Moskau lässt aufhorchen. Kurz zuvor hatte Wouter Truffino skizziert, wohin seiner Meinung nach die Reise in der Immobilienbranche gehen wird. Der PropTech-Spezialist aus den Niederlanden und Gründer der Netzwerke Holland Contech & Proptech sowie Global PropTech beeindruckte damit in der russischen Metropole nicht nur die Schweizer Delegation. «Mehrere grosse globale Trends sind aktuell erkennbar: Mit der Entwicklung und Implementierung der ultra-schnellen Drahtlosnetzwerke wird sich unsere Welt noch einmal mit erhöhter Geschwindigkeit verändern», ist Truffino überzeugt. So werde schon bald der Google-Konzern mittels smarter Sensortechnik und künstlicher Intelligenz Konsumentenverhalten voraussagen und damit beispielsweise die Konzeptionen von Einkaufszentren optimieren können. Dies sei nur eines von vielen auf uns zukommenden Praxisbeispielen mit direkter Auswirkung auf die Immobilienwirtschaft.

Verkehrslösungen für Millionenstädte

Für die mitgereisten FIABCI-Suisse Young Members Anaïs und Jonas Fatio waren in erster Linie die Podiumsdiskussionen über die Verwendung und zentrale Speicherung von geteilten Daten sowie Cloud-Lösungen in der Immobilienbranche von grossem Interesse. «Es war sehr spannend zu sehen, wie entwickelt die verschiedenen Teilnehmerländer in diesen Bereichen sind. Natürlich förderten diese Themen auch interessante Gespräche mit Immobilienleute aus der ganzen Welt.» Beide sind bei der Engelmann AG beschäftigt, einem traditionsreichen Immobilien-Treuhänder in der Region Biel. Anaïs und Jonas Fatio heben darüber hinaus eine Podiumsdiskussion am zweiten Kongresstag hervor, die ihnen nachhaltig im Gedächtnis blieb: Da diskutierte Maurice Leroy mit, ehemaliger französische Minister für die Städte (2010 bis 2012), der heute beratend für den Bürgermeister von Moskau in Sachen Mobilität arbeitet. «Seine Visionen über die Zukunft von städtischen Verkehrslösungen in Millionenstädten wie Moskau sind ausserordentlich interessant», sagt Jonas Fatio.

Besichtigung Grossprojekt «HeadLiner»

Für den Schweizer FIABCI-Präsidenten Thomas H. Henle waren die sogenannten Case Studies mit Projektbesichtigungen in Moskau ein weiteres Highlight der Russland-Reise. Dazu zählte beispielsweise die Baustelle des Vorhabens «HeadLiner», einem multifunktionalen Wohnviertel mit 144.000 Quadratmeter Gesamtfläche und einem 53-Stockwerke-Hochhaus am Shmitovskiy Proyezd nahe der Metro-Station Shelepikha. Im März wurde hier die Generalunternehmung für den zweiten Bauabschnitt ausgewählt. «Als absolut herausragend an dieser Projektentwicklung wird mir Folgendes in Erinnerung bleiben: die direkte und sehr kluge Fussgängeranbindung an den Central Business District, der Reifegrad der BIM-Applikation, welche die Vermarktung ab Plan hervorragend unterstützt, und das sehr kreativ und gekonnt umgesetzte Branding.» Damit gelinge es, das Produkt beim angepeilten Kundensegment optimal zu vermarkten, «zum Beispiel auch mit einer exklusiven Club-Mitgliedschaft oder sogar einer eigenen Kleider-Kollektion», wie Henle berichtet.

Wahl des neuen FIABCI-Weltpräsidenten

Am Abschlusstag des Weltkongresses trat die Generalversammlung zusammen und wählte aus ihrem Kreis den neuen Weltpräsidenten des Verbands, welcher jeweils für ein Jahr amtet. Im abgelaufenen Jahr hatte der Bulgare Assen Makedonov diese Position inne und zeichnete sich dadurch aus, dass er die Digitalisierung zu einem Hauptthema seiner Präsidentschaft machte. So lautete denn auch das Motto des Moskauer Kongresses «Digital Era of Real Estate» und an dem fünftägigen Event standen viele Veranstaltungen und Referate zu den Themen PropTech, Blockchain, Smart Contracts und den Wandel der Branche auf dem Programm. Als Präsident von FIABCI International wurde schliesslich der 1979 geborene Walid Moussa als Nachfolger Makedonovs gewählt. Er ist Gründungspräsident von FIABCI in den arabischen Ländern und zugleich Präsident des Real Estate Syndicate of Lebanon (REAL). Der 71. FIABCI-Weltkongress im kommenden Jahr 2020 wird in Manila (Philippinen) stattfinden. Ausrichtungsort des 70-Jahr-Jubiläums des Verbands im 2021 wird dann die französische Hauptstadt sein, wo FIABCI einst gegründet wurde.

Dieser Beitrag über den diesjährigen FIABCI-Weltkongress erschien erstmals im SVIT-Verbandsmagazin IMMOBILIA (Ausgabe Juli 2019).

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