Immobilien, Wohnen, Immobilien-Frauen, Immobilien-Männer, Teams, Plattformen, Konnektivität, Deutschland, Europa, Global, Allgemein

ULI: Drei Erfolgsbeispiele einer Stadt von morgen

DOMBLICK-Beitrag-ULI-Event-Mai-2022

Was sollen und können unsere Städte leisten? Wie gelingt die Transformation der Städte und was macht sie für uns alle lebenswert? Darüber diskutierten führende Branchenakteure aus der Immobilienwirtschaft und der öffentlichen Hand auf dem diesjährigen Urban Leader Summit 2022 des ULI Urban Land Institutes in Flörsheim bei Frankfurt/Main.

Insbesondere während der Corona-Pandemie wurden die Innenstädte schon totgesagt. Doch
in jeder Krise und in jedem Strukturwandel stecken immer auch Chancen. Wie diese in den Städten genutzt werden, zeigen drei erfolgreiche Best Practice Beispiele aus unterschiedlichen Städten bzw. Metropolen.

Über „#PerspektiveStadt“ sprachen Professor Dr. Julia Frohne, Geschäftsführerin der Business Metropole Ruhr GmbH, Oberbürgermeister Markus Zwick aus Pirmasens widmete sich dem Strukturwandel in seiner Stadt und Prof. Jürgen Bruns-Berentelg (ehem. CEO HafenCity Hamburg) erläuterte den Weg vom ehemaligen Hafen-Industrie-Areal zum vielseitigen Stadtteil in Zentrumsnähe: Die HafenCity erstreckt sich auf rund 157 Hektar Fläche und vergrößert die Hamburger Innenstadt um gut 40 Prozent.

Nachteile zum Vorteil nutzen

Die Stadt Pirmasens befinde sich seit vielen Jahren im Wandel und habe den nicht immer einfachen langen Strukturwandel von der ehemaligen Schuhstadt in einen lebendigen innovativen Standort, der noch nicht vollständig abgeschlossen sei, geschafft, informierte Oberbürgermeister Zwick. „Seitens der Stadtverwaltung haben wir uns aufgemacht, die Nachteile zu unserem Vorteil zu nutzen: Leerstände in der Stadt wurden und werden kreativ bespielt oder mit einer neuen Nutzung reaktiviert.

Nicht nur die Kreativwirtschaft widmet sich verstärkt der Stadt Pirmasens – aus der Schuhbranche heraus haben sich viele Unternehmen den neuen Herausforderungen angepasst und bieten mit Unterstützung der Stadt Pirmasens und der Hochschule Kaiserslautern attraktive Ausbildungsplätze und duale Studiengänge mit Bezug zur Schuhbranche in zukunftssicheren Berufen“, erklärte der OB.
Die Digitalisierung treibe die Schuhindustrie mit Innovationen wie etwa den 3-D-Druckern voran, die Innenstadt werde mit gezielten Maßnahmen gestärkt, ebenso der Einzelhandel.

Die Idee der „15-Minuten-Stadt“

Nach Arbeitslosigkeit und schrumpfenden Einwohnerzahlen ziehen wieder mehr junge Leute nach Pirmasens, sie finden hier bezahlbaren Wohnraum, eine langfristige Perspektive und kurze Wege. Binnen 15 Minuten können die Bürger der Stadt Pirmasens alle notwendigen Geschäfte des täglichen Bedarfs, Schulen, Arztpraxen und Gastronomie fußläufig erreichen. „Die Stadt hat mit den Bürgern den Strukturwandel gemeistert, nachhaltig“, betonte Zwick.

Die Idee einer „15 Minuten-Stadt“ stammt ursprünglich von Walter Gropius (1883-1969), dem Bauhaus-Gründer, der bei der städtebaulichen Planung darauf bedacht war, die Riesengebilde der Großstädte in einzelne, in sich geschlossene ‚Nachbarschaften‘ zu gliedern. Die geforderten Wohnbezirke mit höchstens 8.000 Menschen verlangen im Allgemeinen nur Wege bis zu 15 Minuten zu den wichtigsten alltäglichen Zielen, so Gropius.

In Zeiten von Pandemie, Krieg und Klimakrise werden solche ressourcenschonenden Planungen in Städten, um unnötige Wege vermeiden, wieder en vogue. Urbane Quartiere der kurzen Wege, die Kultur, Bildung, Handel, Gastronomie und Natur im direkten, möglichst fußläufigen Wohnumfeld bieten. Anne Hidalgo, die amtierende Oberbürgermeisterin von Paris, hatte 2020 das Ziel verkündet, die französische Hauptstadt zur Stadt der kurzen Wege zu machen und damit Vorbild für andere werden zu wollen.

Stärkere Mischnutzung von Gebäuden

In diesem Zusammenhang betonte Sabine Georgi, Geschäftsführerin des ULI Germany/Austria/Switzerland, einen weiteren wichtigen Punkt: „Durch die verstärkte Mischnutzung von Gebäuden und einer attraktiven Mehrfachnutzung des öffentlichen Raums können wir Orte schaffen, an denen sich Menschen begegnen. Quartiersentwicklung wirkt sich somit nicht nur positiv auf den Klimawandel aus, sondern führt auch zu einer Steigerung der Lebensqualität in den Städten“, sagte die Expertin und ergänzte: „Die Gestaltung nachhaltiger, resilienter und lebenswerter Städte bildet das Zentrum der ULI-Mission. Die Diskussion um die (Weiter-)Entwicklung urbaner Quartiere und die Förderung des Dialogs zwischen Vertretern der privaten Immobilienwirtschaft und öffentlichen Hand sind deshalb elementare Bestandteile unserer Programme und Veranstaltungen.“

Prof. Dr. Julia Frohne, Geschäftsführerin der Business Metropole Ruhr GmbH, stellte anhand von Beispielen anschaulich vor, wie die Metropolregion mit ca. 5,1 Millionen Menschen, über 400.000 Studierenden und Auszubildenden den Strukturwandel erfolgreich gemeistert hat. Der Industriewald Ruhrgebiet sei nur ein Beispiel für gelungenen Strukturwandel: Früher zerstörte die Montan-Industrie Naturräume. Nun, nach Schließung der Zechen und Stahlwerke, erobert sich die Natur ihr Revier zurück.

Blauer Himmel und grüne Wälder statt grauem Beton und tristem Stahl: Das Ruhrgebiet bietet mit den Wäldern und Seen einen hohen Erholungswert, die Grünflächen haben sich fast verdoppelt. Apropos Seen: die größte schwimmende Photovoltaik-Anlage Deutschlands ist im Ruhrgebiet. Auf dem Silbersee III in Haltern ist ein Solarpark mit fast 5.800 Modulen ans Netz gegangen. Die Anlage produziert pro Jahr fast 3.000 Megawatt Strom und spart damit rund 1.100 Tonnen Kohlendioxid ein.

Wichtiger Faktor Lebensqualität

Die B- und C-Städte der Metropole Ruhr sind für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch bezahlbar und das bei einer sehr hohen Lebensqualität, außerdem seien in der Metropole noch Fach- und Arbeitskräfte zu finden, so Frohne. Ein immer größer werdender Vorteil beim heutigen Fachkräftemangel. Die Metropole Ruhr habe die Chancen genutzt und sei heute geprägt durch Transformation, Nachhaltigkeit und Innovationen. Der große Strukturwandel sei geglückt dank vieler Akteure. Insgesamt zeigt sich: Das Ruhrgebiet wird bei Investoren immer gefragter, viele Branchen, innovative Projekte und auch der Immobilienmarkt in der Metropole Ruhr expandieren. Auch beim öffentlichen Nahverkehr hat das Ruhrgebiet die Nase vorne, der Weg in die Zukunft ist also geebnet.

Die Hamburger HafenCity zählt zu den attraktivsten urbanen Räumen in Europa und setzt national wie international Maßstäbe in einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Professor Dr. Jürgen Bruns-Berentelg, Urban Planning Researcher und City Developer, erläuterte, wie es gelungen ist, bei der Entwicklung des Stadtteils viele städtebauliche Herausforderungen zu überwinden.

Dazu gehören der Umwelt- und Klimaschutz, die Umstellung der Grundstücksvergabe von einem Festpreis auf ein Konzeptgebot, der Bau einer U-Bahn, der überarbeitete Masterplan für die östliche HafenCity 2010. Die HafenCity bietet heute bereits das, was von Städten für die Zukunft gefordert wird, eine gute Durchmischung von Handelsflächen, Wohnen und Büros auf engem Raum, soziale Vielfalt, weniger Autoverkehr, eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und urbane Lebensräume. Und in der HafenCity ist die 10 Minuten Stadt Wirklichkeit, so Bruns-Berentelg.

Quartiere mit kurzen Wegen

Es sei bei der Planung gelungen, die komplexen verschiedenen Bereiche und Akteure der Stadtentwicklung zusammen zu bringen und nachhaltige urbane Stadtstrukturen zu schaffen, die die er als Grundbedingungen für eine gute Stadtentwicklung sieht und für eine soziale Interpretation von Stadt. Ein neues Quartier solle gut durchmischt sein, ein Quartier der kurzen Wege sein, ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad, es soll Arbeitsplätze und Wohnen strukturell miteinander vermischen und auch ausreichend Grünflächen bieten.

In der HafenCity sind bereits über 70 Projekte fertiggestellt, 63 weitere sind noch im Bau oder in Planung. Bis 2025 soll der Stadtteil HafenCity fertig sein und dann werden insgesamt über 15.000 Menschen dort leben und 45.000 Menschen arbeiten.

Fazit: Neues wagen, Austausch pflegen

Diese drei Best-Practice-Beispiele zeigen: Es lohnt sich, Stadt neu zu denken, Neues zu wagen und immer im offenen Austausch mit allen Akteuren zu bleiben, um die Städte nachhaltig und lebenswert zu gestalten. Jede Krise ist immer auch eine Chance für etwas Neues. Die Umsetzung einer „15 Minuten-Stadt“ ist wieder „en vogue“ – und bereits in einigen Städten Wirklichkeit.

Vorheriger ArtikelNächster Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.