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IBPDI: Neue internationale Dateninitiative für die Immobilienwirtschaft

BuildingMinds, Microsoft und RICS entwickeln gemeinsam im Rahmen ihrer jüngst ins Leben gerufenen IBPDI International Building Performance & Data Initiative den neuen International Building Performance & Data Standard. Das Konzept des neuen Standards, welcher auf dem International Building Operations Standard (IBOS) und einem Common Data Model (CDM) für die Immobilienwirtschaft basieren soll, wurde beim 6. Digital Real Estate Summit Anfang März 2020 in Brugg-Windisch in der Schweiz erstmals öffentlich einem breiten Fachpublikum vorgestellt.

«Die Erwartungen an Immobilien seitens der Gesellschaft und der Politik steigen und ökologische wie soziale Rahmenbedingungen gewinnen an Bedeutung», erklärte Mary Ann Reynolds, Country Manager von RICS Switzerland. So würden auch für zukunftsgerichtetes Immobilienmanagement das Nutzer-Wohlbefinden, die Reputation und die Mitarbeitergewinnung immer mehr zu strategischen Faktoren – auch wenn der finanzielle Aspekt weiterhin im Vordergrund stehe. «Um Gebäude weiterhin nachhaltig verwalten und benchmarken zu können, müssen Kosten mit ökologischen und sozialen KPIs in Einklang gebracht werden», ergänzte der aus London angereiste Andrew Knight, International Data Standards Director bei RICS, auf dem vom Zürcher Beratungsunternehmen pom+ Consulting initiierten und organisierten Digital Real Estate Summit in den Räumen der FHNW Fachhochschule Nordwestschweiz in Windisch.

Internationale Standards für eine effizientere Gebäudebewirtschaftung

Das Standardisierungsprojekt der RICS stelle internationale Standards zur Verfügung, die auf ICMS (International Construction Measurement Standards), IPMS (International Property Measurement Standards), ILMS (International Land Measurement Standards), IVS (International Valuation Standards) und IES (International Ethics Standards) basieren. Es ermögliche damit einen konsistenten Managementansatz für Unternehmen und Gebäude, um durch gezieltes Benchmarking die Effizienz, Produktivität, das Wohlbefinden und die Wertschöpfung ganzheitlich zu verbessern, so Knight. Das CDM diene dabei als universelle Datensprache für alle immobilienbezogenen Geschäftsprozesse und bildet die Grundlage für die von BuildingMinds, einem Gemeinschaftsunternehmen von Microsoft und Schindler, entwickelte digitale Plattform zur Immobilienverwaltung.

«Indem die Plattform alle Daten zusammenführt, eröffnet sie Investoren, Eigentümern und allen Stakeholdern jederzeit die benötigten Informationen. Ob aus holistischer Portfolioperspektive oder granular auf Einzelobjektebene werden etwa Dekarbonisierungsstrategien, Nutzerzufriedenheits- und Profitabilitätsziele kombiniert», sagte der aus Berlin via Skype zugeschaltete Jens Müller, Chief Operating Officer von BuildingMinds. Das von Microsofts Open Data Initiative abgeleitete CDM, das bereits in anderen Branchen etabliert sei, vereine dabei sowohl nationale als auch internationale Standards.

Initiative will branchenspezifisches Common Data Model entwickeln

«Die Immobilienwirtschaft muss neue Ansätze finden, wie sich Effizienz und Innovationen erzielen lassen. Der Datenaustausch auch über Unternehmen oder sogar Branchen hinweg ist dafür absolut erfolgskritisch», sagte Christian Tschumper, SMC Lead bei Microsoft Schweiz. CDMs würden bereits erfolgreich in anderen Branchen genutzt, etwa im Gesundheitssektor oder in der Automobilindustrie. Die entstehenden Open Data Pools ermöglichten nicht nur eine höhere Gebäudeeffizienz, sondern auch neue Geschäftsmodelle mit innovativen, kundenfokussierten Produkten und Dienstleistungen. Die erste Version des Common Data Models für die Immobilienwirtschaft solle noch dieses Jahr veröffentlicht werden, heisst es aus dem Gründerkreis der IBPDI. Zum ersten Mal ermögliche es die vollumfängliche Anwendung von Technologien wie Machine Learning und Artificial Intelligence in der Immobilienwirtschaft.

«Die fehlende Standardisierung von Daten und Informationsströmen führt zu zahlreichen Datensilos in den Unternehmen der Immobilienwirtschaft. So sind schnittstellenfreie Prozesse, informationsgetriebene Entscheidungen und Smart-Data-Anwendungen schlichtweg nicht möglich. Die Entwicklung eines offenen, von allen nutzbaren Standards liegt auf der Hand», erklärte Tobias Decker, Chief Product Officer bei BuildingsMinds. «Mit unserer Initiative führen wir zusammen, was zusammengehört: Data-Driven Insights und globale Branchenstandards.»

Die Integration bestehender internationaler Branchenstandards mit dem CDM führe von Beginn an zu einer Konsistenz und Kohärenz von branchenbezogenen Daten und ermögliche dadurch das Benchmarking gemäss internationaler Standards, die Integration branchenspezifischer Kennzahlen von Mieterzufriedenheit über Nachhaltigkeit bis hin zu Finanzkennzahlen, Machine Learning und Artificial Intelligence für Data-Driven Insights, so die IBPDI.

Ziel ist die Erweiterung und Integration internationaler Branchenstandards

«Unser Kernanliegen ist es, eine bessere Bewertung und Evaluierung für die Immobilienwirtschaft zu ermöglichen und die Effizienz von Unternehmen zu erhöhen», erläuterte RICS-Datenfachmann Andrew Knight. «Als internationaler Berufsverband sind wir natürlich sehr daran interessiert, unsere branchenspezifischen Standards bereits von Beginn an in ein CDM einzubringen, um die digitale Sphäre innerhalb von und zwischen Unternehmen praxisorientiert zu strukturieren.»

Das Projektmanagement für den angepeilten neuen internationalen Gebäudestandard leistet das in Zürich beheimatete internationale Beratungsunternehmen pom+ Consulting, das Dienstleistungen für Immobilien, Infrastrukturen, Unternehmen und Organisationen aus den Bereichen Bau-, Facility-, Property-, Portfolio- und Asset Management anbietet. «Es handelt sich um eines der wichtigsten Projekte im Rahmen der digitalen Transformation der Immobilienwirtschaft», sagte dessen CEO Peter Staub an dem Digitalisierungs-Event in Windisch. «Ein Vorhaben dieser Grösse und Tragweite ist nicht mit zwei kleinen Arbeitssitzungen erledigt. Wir müssen strukturiert und zielorientiert zusammenarbeiten, um eine solche Mammutaufgabe zu meistern.»

Die neue IBPDI International Building Performance & Data Initiative wird gemäss den Projektverantwortlichen aus einem Kernteam bestehen, dessen Ziel es ist, den International Building Operations Standard (IBOS) stetig zu erweitern, zu verbessern und vor allem für alle zugänglich zu machen. Im Rahmen von regelmässigen, offenen Events sollen künftig Ergebnisse geteilt, Fragestellungen definiert und Strategien diskutiert werden.

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