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Digital Real Estate: Ab in die Cloud (II)

Die digitalen Systeme Dritter zum Verwalten und Analysieren von Liegenschaften und Portfolios werden immer ausgefeilter. Aktuell setzen die Anbieter verstärkt auf Private-Cloud-Lösungen. Lesen Sie mehr hierüber im zweiten Teil des folgenden Fachbeitrags zum Thema Digital Real Estate. Teil 1 finden Sie ebenfalls hier auf DOMBLICK.

[…] Bei Wüest Partner (WP) setzt man derweil weiter auf die etablierte Plattform Wüest Dimensions. «Damit haben wir ein State-of-the-Art-Ökosystem geschaffen, mit welchem für Investoren, Finanzierer, Entwickler und die öffentliche Hand eine neue Ära des digitalen Portfolio- und Risikomanagements eingeläutet wurde», betont WP-Partner Alain Chaney. Mehrere Module ermöglichten die Pflege, Planung, Bewertung und Analyse des Immobilienportfolios «ohne Systembruch auf der gleichen Plattform». Die neuste Entwicklung stehe im Modul Business Intelligence mit Wüest Insights zur Verfügung, worin die firmeneigenen Portfoliokennziffern mit Markt- und Benchmarkdaten verglichen werden können. So erstelle hier beispielsweise auch ein digitaler Assistent kontinuierlich Vorschläge für geeignete Objektstrategien oder zeige auf, welche Anlagen im Verhältnis zum eingegangenen Risiko eine günstige oder eventuell ungünstige Rendite-Risiko-Konstellation aufweisen.

«Viele Unternehmen sehen keine extreme Dringlichkeit»

Beim Managementsysteme-Anbieter Reamis in Baar legt man schon seit der Firmengründung vor einigen Jahren den Schwerpunkt auf eine Cloud-Lösung und verfeinert die Anwenderfreundlichkeit regelmässig. Im Softwarepaket enthalten sei neu standardmässig die Funktion Ankaufsprüfung (Due Diligence), erläutert Reamis-CEO Martin Schnider. Zudem könnten Marktdaten nun umfangreicher dargestellt und ausgewertet werden. «Als Anbieter einer Cloud-Lösung verbessern wir zudem laufend den Service, um die Anwendung optimal und kostengünstig anwenden zu können», sagt Schnider. Für ihn sind die Hersteller im Bereich von Portfolio- und Asset-Management-Lösungen etabliert und haben sich seit einigen Jahren positioniert. Neue Anbieter seien in den letzten zwölf Monaten auf dem Markt eher wenig wahrnehmbar gewesen. «Das hängt eventuell auch damit zusammen, dass aus Sicht vieler Unternehmen aufgrund des Geschäftsgangs nach wie vor keine extreme Dringlichkeit für den Einsatz eines Systems besteht. Die Möglichkeiten zur Geschäftsoptimierung durch Digitalisierung könnten in der Branche noch besser genutzt werden», meint Schnider.

«Grosses Interesse an Prozessoptimierung und Vernetzung»

Klar stärker im Fokus der Nutzer sei die Nachfrage nach finanziellen Führungskennzahlen, verlässlichen Ratings und zuverlässigem Datenmanagement, stellt Qualicasa-CEO Rolf Truninger fest. Das Interesse an der Vernetzung und Prozessoptimierung zwischen Portfolio-Management, Bauabteilungen und Facility Management (FM) sei gestiegen und somit auch auf der Anbieterseite der Druck auf die entsprechende Software. «Um überhaupt einen Nutzen aus diesem Trend zu gewinnen, ist der digitale Zwilling die Voraussetzung», sagt Truninger. Generell stelle die Transformation der Branche höhere Anforderungen an diverse Kompetenzen: «Die Teilung des Arbeitswissens ist dazu Voraussetzung.» Qualicasa habe dazu strategische Kooperationen aufgebaut und werde weitere eingehen, kündigt Truninger an. So steht auch ein Angebot von Qualicasa für die Digitalisierung der Prozesskette FM/Portfolio-Management «vor der Marktreife».

Spürbarer Einfluss der Digitalisierung

Dass die Digitalisierung einen spürbaren Einfluss auf die Schweizer Immobilienwirtschaft ausübt, verdeutlichen auch die Ergebnisse der im April veröffentlichten Studie von EY Real Estate. Während 28 Prozent der Studienteilnehmer bereits gegenwärtig einen starken Einfluss der Digitalisierung sehen, werde dieser Anteil in einem Jahr auf 36 Prozent und in fünf Jahren auf beachtliche 75 Prozent anwachsen, berichten die EY-Researcher. Die Zeit, in der das Gros der Branche gegenüber der Digitalisierung eine gewisse Blauäugigkeit an den Tag legte, sei vorbei, sagt Claudio Rudolf, Partner bei EY Switzerland und Autor der Studie. «Die Digitalisierung wurde als wesentlicher und nachhaltiger Trend erkannt, der unsere Branche schon heute, aber umso stärker noch langfristig umkrempeln wird.» Tatsächlich zeigten sich mit 92 Prozent nahezu alle Umfrageteilnehmer überzeugt, dass die Datenstrukturierung aktuell der wichtigste Digitalisierungstrend ist. Die neuen «Data Analytics» ermöglichen unterdessen vielfältigen sowie weitreichenden Nutzen – über die mit der reinen Datenverfügbarkeit und -strukturierung einhergehenden Effizienzgewinne hinaus.

 

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