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Colliers International: «Wir kommen 2020 in die Schweiz»

Im Interview mit der DOMBLICK-Redaktion verrät Matthias Leube, CEO von Colliers International Deutschland, welche Pläne er für 2020 hegt und welche Bedeutung er dabei dem Immobilienmarkt Schweiz beimisst.

Herr Leube, Sie treiben die Expansion von Colliers International in Kontinentaleuropa weiter voran und sehen hier noch Marktpotenziale. Welche sind das genau?

Ganz frank und frei: Wir planen den Markteintritt in der Schweiz. Wir sind ja einer der führenden global tätigen Immobilienberater und haben dort in der Vergangenheit mit Lizenzpartnern vor Ort zusammengearbeitet. Jetzt ist die Zeit reif und wir wollen tatsächlich unser eigenes Unternehmen in der Schweiz aufsetzen. Das Modell wird jenes sein, wie sonst auch üblich: Das lokale Team kann Aktien-Anteile an unserem Unternehmen erhalten. Dies ist übrigens auch eines jener wichtigen Merkmale, was uns von den anderen grossen und führenden Beratungsunternehmen unterscheidet.

Steht das Team für die Schweiz schon parat?

Nein, noch nicht. Aber wir führen erste Gespräche mit ein paar Senior-Leuten, welche die Colliers-Plattform in der Schweiz mitaufbauen wollen. Weitere Gespräche werden folgen. Konkret suchen wir ein Team von Entrepreneuren. Menschen, die Lust haben, in einem unternehmerischen Umfeld zu arbeiten und selbst am Unternehmen beteiligt sind. Wo mehr der Mensch im Vordergrund steht und weniger die Marke das Wichtigste ist. Wir suchen natürlich idealerweise zuerst an den Standorten Zürich und Genf und sind dann offen und flexibel bei den weiteren Schritten.

Und welche Rolle fällt Ihnen zu?

Ich bin direkt involviert, da ich zur Zeit in meiner Funktion als CEO Germany auch der übergeordnete Verantwortliche von Colliers International für die D-CH-Region bin und somit auch für alles, was die Schweiz betrifft. Hier kann ich den künftigen Kollegen auch das Potenzial unseres Netzwerkes vermitteln und Unterstützung im Aufbau bieten. Ich bin 2017 zu Colliers International in Deutschland gekommen und habe hier die Marke nach vorne gebracht. Umsatzmässig und bezogen auf die Mitarbeiter haben wir die Zahlen verdoppeln können. Wir sind in Deutschland nun an neun Standorten präsent. Zuletzt haben wir im August in Nürnberg eine neue Filiale eröffnet. Daneben sind wir in den acht weiteren Top-Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart vertreten.

Wären Sie persönlich auch vor Ort – zumindest am Anfang des Vorhabens?

Klar ist: Es soll eine eigenständige Länder-Sektion werden. Wir werden die Kollegen unterstützen, wo es geht, damit sie sich voll auf das Geschäft konzentrieren können. In vielen Belangen können wir ihnen den Rücken freihalten. Wir haben in Deutschland aktuell rund 500 Mitarbeitende und können hier vor allem in den Bereichen Back Office, HR und Finanzen Unterstützung bieten. Ich persönlich werde auch gelegentlich vor Ort sein und vor allem mit meinem bestehenden Kundennetzwerk Support geben. Dabei denke ich auch an die in der Schweiz angestrebten Dienstleistungen in den einzelnen Asset-Klassen im Bereich Commercial Real Estate. Ein weiterer Schwerpunkt wird hierbei sicherlich das institutionelle Wohnimmobiliengeschäft, also der Handel mit Wohnanlagen, sein.

Wann peilen Sie konkret die erste Büroeröffnung in der Schweiz an?

Es wäre schön, wenn das 2020 klappen könnte. Also am besten gleich im Verlauf des ersten Halbjahres.

Ihr Schweizer Lizenzpartner war jahrelang die CSL Immobilien AG. Diese Partnerschaft wurde Anfang des Jahres mit Einstieg der Migros Bank gekündigt. Was planen Sie jetzt?

Wir werden mit Colliers International, das derzeit über 400 Büros in 68 Ländern verfügt, eine eigene Schweizer Ländergesellschaft haben. Im Übrigen: Wir weiten mit unserem Schritt den noch recht kleinen Kreis internationaler Immobilienberatungsunternehmen vor Ort auf drei aus.

Wie schätzen Sie den Schweizer Immobilienmarkt ein? Verträgt dieser einen weiteren internationalen Player?

Wir haben sehr gute Kontakte in die Schweiz und diese befürworten unseren Entschluss, eine eigene Schweizer Ländereinheit aufzubauen. Sie wollen einen weiteren globalen Player mit eigenem Team dort sehen. Hier identifizieren wir enormes Potenzial, da es bislang immer nur ein «Entweder der eine oder der andere» gab, quasi ein Duopol. Schon bald wird eine weitere gute Alternative zur Wahl stehen.

Welche Rolle spielte bei dem Entschluss der Bereich Cross-Border-Investments?

Wir spüren das in unserem Tagesgeschäft in Deutschland: Dort fragen Schweizer Pensionskassen und Versorgungswerke aktiv nach, wenn es um Auslandsinvestments in Immobilien in Deutschland geht. Eine wichtige Rolle spielt auch beispielsweise das Kapital Schweizer Family Offices. Da haben wir schon viele Kontakte und diese werden wir natürlich im Markt nutzen, um unser Neugeschäft in der Schweiz auszubauen. Die Schweizer sind immer auch schon global unterwegs gewesen und hier bieten sich für Colliers International mit einem eigenen Team vor Ort vielfältige neue Möglichkeiten und Synergien.

Colliers International hat 2018 zusammen mit Techstars das globale Programm «Proptech Accelerator» gestartet. Sie suchen dabei jedes Jahr gezielt junge Firmen, die mit Innovationen und neuer Technologie die Transformation des Immobiliensektors angehen. Wie gross ist dabei der Input der Schweiz?

Die Schweiz war und ist bekannt für ihre Innovationskraft. Dies trifft auch auf neue Themen bei der Digitalisierung der Immobilienbranche zu. Wir hoffen, mit unserem neuen Schweizer Team einen direkteren Draht und einen weiteren Zugang zu neuen Ideen zu bekommen. Und da hoffen wir natürlich auch auf Proptechs aus der Schweiz, die wir, vielleicht schon im nächsten Jahr, in unser globales Accelerator-Programm aufnehmen und unterstützen können.

Vielen Dank, Herr Leube, für das sehr interessante Gespräch.

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