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«Die Asset-Klasse Hotel ist bei Investoren derzeit sehr beliebt»

Robert van der Graaf, Senior Director of Business Development, D-A-CH-Region, bei der Radisson Hotel Group, bekräftigt im Interview, dass grosse Hotelbetreiber trotz einiger Sättigungstendenzen weiterhin Chancen auf dem Beherbergungsmarkt bzw. in der Asset-Klasse Hotel sehen.

Frage: Einige Marktexperten sprechen beim Blick auf den Schweizer Hotelmarkt von «ersten Sättigungstendenzen bei der Stadthotellerie». Was ist Ihre Sicht?

Robert van der Graaf: Wir sehen durchaus Chancen aufgrund unserer bestehenden Präsenz auf dem Schweizer Hotelmarkt mit unseren neuesten Marken weiter zu expandieren. Hierbei ist es aus unserer Sicht essenziell, in Anbetracht der Pipeline an Hotelkapazitäten, die sich bereits in Entwicklung oder Planung befinden, weiterhin bei den Lagen keine Kompromisse einzugehen und unsere Produkte auf die Umgebung anzupassen. Es sind aber auch nicht immer neue Entwicklungen notwendig: Alle Marken im Portfolio der Radisson Hotel Group sind auch auf Revitalisierung und Repositionierung von bestehenden Hotels ausgelegt. Ein gutes Beispiel hierfür ist unser Haus in Rümlang, welches vor Kurzem renoviert wurde und jetzt als Radisson neu positioniert wird. Diese Entwicklung ist ein wichtiger Schritt in der strategischen Ausrichtung der Radisson Hotel Group.

Frage: Wie sieht die aktuelle Expansionsstrategie bei den Marken Radisson Blu und Radisson Red in der Schweiz aus?

Robert van der Graaf: Wir sind sehr zufrieden mit unserer Radisson-Blu-Präsenz in der Schweiz, gleichwohl mit unserem Wachstumskurs wie dem Radisson Blu Hotel, Geneva, das mit seinen 250 Zimmern und einem umfassenden MICE-Angebot im Jahr 2022 planmässig eröffnen wird. Sie formt eine solide Basis um weiterhin gezielt nach Möglichkeiten für Radisson RED in der Schweiz suchen zu können. Das heisst, in erster Linie und aktiv in den Toplagen der grösseren Städte. Unsere Strategie sieht vor, für die neuen Marken Radisson Red und Radisson Blu auch hierzulande jeweils für ein Leuchtturmprojekt Pachtverträge abzuschliessen. Wir machen dies, um diese Marken im Markt zu etablieren und um zukünftige Investoren und Partner zu begeistern und gewinnen zu können. Es gibt aber auch in der Schweiz einige gute sekundäre Destinationen, wo wir zusammen mit Betreibern neue Entwicklungen verfolgen.

Frage: Wie stellt sich die derzeitige Finanzierungssituation für neue Hotelprojekte generell dar?

Robert van der Graaf: Gut. Bedingt durch die derzeitige Situation auf dem Kapitalmarkt, niedrige Zinsen und hohe Verfügbarkeit von Kapital, kombiniert mit den vielversprechenden Renditeewartungen für die Asset-Klasse Hotel, vereinfacht das die Finanzierung von Hotelprojekten. Der Mangel an verfügbaren Grundstücken und Liegenschaften, gepaart mit den steigenden Baukosten, haben allerdings die Investitionskosten für neue Projekte stark in die Höhe getrieben. Die Asset-Klasse Hotel ist bei Investoren derzeit sehr beliebt, da für Betreiberimmobilien lange Miet- und Pachtverträge abgeschlossen und gute Renditen erzielt werden.

Frage: Welche wichtigen Trends machen Sie derzeit in der Hotellerie in Europa bzw. weltweit aus?

Robert van der Graaf: Alternative Wohn- und Arbeitsformen, wie Co-Living, Micro-Living, Serviced Apartments und Co-Working, bieten auch für die Hotellerie neue Chancen, da eine Durchmischung von Hotelprodukt und Dienstleistungen dem ganzen Immobilienobjekt guttut kann. Wir sehen immer mehr Chancen für Serviced Apartments und Co-Working in Kombination mit modernen Hotelprodukten.

Frage: Wie sind die Erfahrungen der Radisson Group in letzter Zeit hinsichtlich der Digitalisierung von Geschäfts- und Serviceprozessen?

Robert van der Graaf: In der Digitalisierung steckt für die Hotellerie und damit auch für die Radisson Hotel Group ein riesiges Potenzial, um Geschäfts- und Serviceprozesse reibungsloser und effizienter zu gestalten. Wir können damit dem Fachkräftemangel ein wenig entgegenwirken, indem wir als Arbeitgeber durch optimierte Prozesse attraktiver werden und unsere Teams sich auf das Wichtigste konzentrieren können: den Gast.

Vielen Dank, Herr Van der Graaf, für das interessante Gespräch.

Dieses Interview erschien erstmals im Schweizer Fachmagazin IMMOBILIEN BUSINESS (Ausgabe 6/2019).

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