Immobilien, Büro, Logistik, Europa, Global

MIPIM-Jubiläum 2019 – Viel Freude und verhaltener Optimismus (II)

In diesem Jahr konnte die internationale Immobilienmesse MIPIM in Cannes ihr 30-Jahre-Jubiläum feiern. Mit 26.800 Besuchern wurde erneut ein Rekordwert erreicht. Der Grossteil der anwesenden 5.400 Investoren frohlockte über das anhaltende Niedrigzinsumfeld. Hier Teil 2 unseres Messe-Rückblickes, der erste Teil ist hier zu finden.

Jochen Schenk, Vorstandsvorsitzender der Real I.S. AG, München, sieht aktuell eine «Annäherung der Nutzungsarten». Traditionelle Asset-Klassen würden sich auflösen und die Grenzen zwischen Wohnen und Hotel, zwischen Retail und Logistik oder auch bei der einst klaren Definition von Büroimmobilien verwischten zusehends, so Schenk. Die Real I.S. habe im 2018 gesamthaft ein Kapitalvolumen von einer Milliarde Euro investiert, gleichzeitig aber auch rund 400 Millionen devestiert. Eines der prominentesten Beispiele war im vergangenen Jahr der Verkauf der Londoner Westend-Immobilie 14 Tothill Street an die Schweizer Anlagestiftung für Immobilien im Ausland (AFIAA) die für kolportierte 170 Millionen Euro den Eigentümer wechselte. Das 5.500 qm Nutzfläche umfassende Büroobjekt ist komplett an eine Verwaltungseinheit des britischen Unterhauses vermietet und befindet sich nahe der Metro-Station St. James’s Park.

Neue europäische Logistikkorridore

Für Yvo Postleb, CEO von Cushman & Wakefield Germany, ist indes vor allem die Logistik-Infrastruktur in Europa ein treibender Faktor in den kommenden Jahren. Die Logistikbranche befinde sich aufgrund des steigenden Frachtvolumens, steigender Transportkosten, des Arbeitskräftemangels und der Verkehrsüberlastung im Aufbruch. Das Europäische Statistikamt (Eurostat) prognostiziert, dass sich die Frachtverkehrsnachfrage in Kontinentaleuropa (ausgehend von 2010) bis 2050 um 182 Prozent fast verdreifachen werde. Cushman & Wakefield konstatiert in seiner neusten Studie «The Changing Face of Distribution: The Shape of Things to Come», dass sich die europäischen Logistikkorridore verändern und weiterentwickeln werden.

Auslöser seien unter anderem der Online-Handel, neue Technologien, multimodale Konnektivität und die Verkehrsnetze, so Postleb. Auch politische Fragen wie der Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union werde dabei erhebliche Auswirkungen haben. Cushman & Wakefield identifiziert in der Studie acht Hauptkorridore, die bei der Entwicklung der europäischen Logistik voraussichtlich eine wichtige Rolle spielen werden: Neben den etablierten Korridoren wie Benelux-Rhein/Ruhr-Norditalien würden sich weitere Logistikrouten im UK und Irland, in Skandinavien und im Baltikum sowie auf der iberischen Halbinsel, in Osteuropa und im Schwarzmeerraum bilden.

UK mit grösster Delegation

An Frankreichs Mittelmeerküste zeigten sich die MIPIM-Besucher unterdessen fast unbeeindruckt vom Brexit-Dilemma. Vielmehr war die britische Delegation wieder eine der grössten und warb auf verschiedensten Podien, Panels, Ständen und in Strandzelten für künftige Investments ins Königreich. Neben dem «Big Player», dem Finanzzentrum London, waren aber auch Städte aus der zweiten Reihe, wie etwa Manchester und Liverpool, oder die Scottish Cities Alliance (mit Glasgow, Edinburgh, Dundee, Perth, Inverness, Aberdeen und Stirling) prominent vertreten und warben um Investoren aus dem Ausland.

Wichtige Erfolgsfaktoren für die Immobilienbranche

Darüber hinaus präsentierten Amanda Clack, Executive Director und Head of Strategic Advisory bei CBRE, sowie Judith Gabler, stellvertretende Managing Director Europe bei RICS, ihr neues Buch «Managing Diversity and Inclusion in the Real Estate Sector». Demnach bilden Diversität und Inklusion wichtige Erfolgsfaktoren im Geschäftsalltag der Bau- und Immobilienindustrie. Die Immobilienfrauen zeigen mit ihrer lesenswerten 166-seitigen Publikation auf, wie diese Faktoren in die Unternehmenskultur bzw. -strategie aufgenommen und in der Realität gelebt bzw. umgesetzt werden. «Die Leser profitieren von den persönlichen Erfahrungen einer Vielzahl an Menschen aus der Immobilienbranche zu allen Aspekten von Diversität», sagt Gabler.

 

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