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Allthings-CEO Eric Aplyn: «Das Effizienz-Potenzial ist enorm»

DOMBLICK-Interview - Fragen an Eric Aplyn_CEO Allthings_VÖD 20201013 - Bild zVg

Im heutigen Interview verrät uns Eric Aplyn, CEO des PropTechs Allthings, viel Neues aus seinem Unternehmen und erklärt, wie Kooperationen und Integrationen Mehrwerte schaffen.

DOMBLICK: Herr Aplyn, Sie sind jetzt rund 100 Tage im Amt als CEO bei Allthings: Was sind Ihre wesentlichen neuen Erkenntnisse aus dieser Zeit?

Eric Aplyn: Ich hatte ja das Glück, schon davor rund 1.000 Tage als CPO bei Allthings zu wirken. Entsprechend konnte ich mit unserem Team direkt mit der Umsetzung des nächsten strategischen Kapitels starten. Wir haben zu meinem Start als CEO die Erweiterung der Plattform hin zu einer omnikanalfähigen Kommunikations- und Service-Zentrale bekannt gegeben. Diese Erweiterung nahmen wir vor, weil wir Mietern und Bewirtschaftern ermöglichen wollen, genau den Kanal zu nutzen, den Sie am liebsten verwenden. Statt also nur die Applikation als Front-End für die Mieter zur Verfügung zu stellen, können sie heute über alle Kanäle – E-Mail, Telefon, Webformulare und auch Briefe – über die Plattform kommunizieren. Unsere neue Mission, 100 Prozent aller Mieterinteraktionen kanalunabhängig abzudecken, hat viel Aufmerksamkeit generiert und ist bei unseren Kunden und Zielkunden sehr gut angekommen. Ein toller Start also – aber trotzdem auch erst der Anfang unserer nächsten Strategiephase.

Allthings ist in den vergangenen Monaten viele neue Kooperationen eingegangen, etwa mit Blockstrom, Dormakaba, eMonitor und Jarowa, und hat jüngst eine komplett überarbeitete Produktstruktur bekanntgegeben. Warum?

Aplyn: Heute schafft man mit Integrationen mehr Wert als mit eigenen Funktionen. Mit den jüngsten Partnerschaften haben wir uns vor allem auf die nahtlose Verknüpfung bei Kernprozessen im operativen Immobilienmanagement konzentriert. Diese Partnerschaften sind jeweils nicht exklusiv, aber natürlich binden wir die besten Spezialisten an. eMonitor und Jarowa zum Beispiel – beides ausgereifte Plattformen im Bereich Bewerber- und Handwerkermanagement – ermöglichen uns jetzt bei mieterseitigen Prozessen eine vollständige Automatisierung von operativen Aufgaben. Das Effizienz-Potenzial daraus ist enorm.

Auf die gestern lancierte neue Produktstruktur bin ich besonders stolz. Mit FREE bieten wir über ein smartes Webformular eine neuartige Gratislösung im Mieterplattform-Umfeld. FREE steht als Early Access Zugang interessierten Kunden zur Verfügung und ermöglicht eine deutlich effizientere Bearbeitung von Mieteranliegen. Unsere Produktbündel ESSENTIAL und PROFESSIONAL bieten portfolioweite Effizienzsteigerungen von bis zu 50 Prozent in mieterseitigen Kernprozessen des operativen Immobiliengeschäfts – bei transparenten Leistungsmodellen und standardisierten Preisen. Und das umfassende, stark individualisierbare ENTERPRISE-Angebot bietet für Grosskunden und für Speziallösungen auf einzelnen Gebäuden weiterhin maximale Konfigurations- und Vernetzbarkeit und auch das Potenzial, mit eigenen Entwicklungen weiter zu gehen. Die Angebotsstufung hat auch noch einen weiteren Vorteil: Alle Kunden – insbesondere Grosskunden – können sofort loslegen und die Plattform stetig gemäss ihren Bedürfnissen anpassen und erweitern.

Inzwischen gibt es fast 300 PropTechs in der Schweiz und europa- bzw. weltweit ist es eine vierstellige Zahl. Ist das, was vor Jahren eine Innovation war, heute zur Gewohnheit geworden?

Aplyn: Das ist so. Es findet eine typische Entwicklung statt: Wir waren beispielsweise einer der Pioniere bei Mieterplattformen, heute werden viele ehemals wegweisende Funktionen unserer Plattform von den Kunden als Standardfunktion erwartet. Differenzierung findet inzwischen primär über Integrationen, Services und über andere Ertragsmodelle statt.

Mich erstaunt übrigens in diesem Zusammenhang, wie viele Neu-Anläufe es in allen PropTech-Kategorien immer wieder gibt. Oftmals sind diese getrieben von der Vorstellung, dass man so die Datenhoheit erlangt. Dabei ist diese aus rechtlicher und gesetzlicher Sicht sowieso gegeben und Daten sind ja auch jederzeit exportier- und rekombinierbar in modernen Systemwelten.

Sie haben das Amt des CEO von Allthings-Gründer Stefan Zanetti übernommen, der jetzt als VR-Präsident fungiert. Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden?

Wir kennen uns ja schon lange und arbeiten seit bald vier Jahren hervorragend zusammen. Der Wechsel war darum auch mehr ein Kontinuum als ein Schnitt. Und Stefan hat sich ja nicht zurückgezogen. Im Gegenteil, wir haben die Rollen auch so neu aufgeteilt, damit er mehr Zeit hat, sich vollzeitlich auf langfristige Strategie- und Marktthemen für Allthings zu konzentrieren, ganz besonders mit grossen Kunden und Partnern. Wer Stefan kennt, weiss, dass er das am liebsten macht und dann geschieht auch nicht einfach nichts. Das ist also eine sehr enge Zusammenarbeit, wir sind mindestens einmal pro Tag im Austausch.

Herr Aplyn, Sie haben einen starken Software-as-a-Service-(SaaS)-Hintergrund und konnten schon zuvor sogenannte Multi-Stakeholder-Plattformen aufbauen. Könnten Sie uns erst einmal diese Begriffe definieren bzw. umreissen?

Aplyn: Software-as-a-Service, also SaaS, ist Software, die man vom Hersteller mietet, statt sie selber auf eigenen Servern zu installieren. Praktisch alle Proptechs sind SaaS-Firmen, ganz einfach, weil Betrieb, Aktualisierung und Wartung für alle viel einfacher, kostengünstiger und auch sicherer ist. Zudem sind SaaS-Firmen durch ihren Aufbau viel mehr darauf ausgerichtet, sich mit anderen Diensten zu vernetzen. SaaS ist eine einzige Erfolgsgeschichte im Software-Umfeld und selbst alteingesessene Unternehmen wie bspw. ERP-Anbieter wechseln immer mehr auf SaaS-Modelle.

Im operativen Immobilienbetrieb ist eine Vielzahl von Rollen und Personen zu berücksichtigen. Deswegen ist Allthings auch eine «SaaS-Multi-Stakeholder-Plattform», die fünf Zugänge – für Mieter, für Verwalter bzw. Bewirtschafter, für Dienstleister und Handwerker, für Eigentümer, für Datenlieferanten und für neue smarte Funktionen – zur Verfügung stellt. Solches habe ich zuvor schon in den USA für andere Märkte entwickelt, das Prinzip bleibt aber das gleiche: Es muss für jeden Partner sowohl vom Use Case als auch aus ökonomischer Sicht Sinn machen.

Vor Ihrer Zeit bei Allthings waren Sie nicht so eng vertraut mit den Immobilienmärkten. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?

Aplyn: Allthings ist eine Software-Firma, und darum fühle ich mich als produktorientierter CEO mit einem Software-Hintergrund sehr wohl. Aber natürlich brauchen wir das Fachwissen aus der Immobilienwirtschaft: Wir holen es uns von unseren Industriespezialisten, die bei uns investiert sind, wie Andreas Wende, Markus Schmidiger, Peter Forster oder Beat Schwab. Aber wir haben natürlich auch Mitarbeiter, die viele Jahre in der Bewirtschaftung gearbeitet haben und jetzt die Welt von der anderen Seite gestalten wollen. Und natürlich lernen wir auch mit unseren Kunden in gemeinsamen Entwicklungen, was besonders wichtig ist.

In der Technologie-Szene und bei der Digitalisierung ist viel vom «Hype Cycle» und auch vom berühmt-berüchtigten «Tal der Tränen» die Rede. In welcher Phase sehen Sie Allthings aktuell und wie sehen Sie Ihre Rolle darin?

Aplyn: Wir haben den «PropTech Hype Cycle» voll durchlebt und auch mitgeprägt – inklusive «Tal der Tränen». Aber nach dem «Tal der Tränen» kommt bekanntlich der «Pfad der Erleuchtung» hin zum «Plateau der Produktivität». Und genau auf diesem Pfad bewegen wir uns: Allthings ist seit Sommer diesen Jahres mit einer schwarzen Null profitabel. Und was wir jüngst an den Markt gebracht haben – von der Omnikanalfähigkeit über die Partnerschaften bis hin zu den neuen Produktpaketen – widerspiegelt die Erkenntnisse aus den vergangenen Jahren. Mein Landsmann Roy Amara hat einmal gesagt: «We overestimate the impact of technology in the short-term and underestimate the effect in the long run.» Und das ist genau das, was mich sehr motiviert: Ich darf die Firma als CEO in einer Phase weiterführen, wo es darum geht, diese grossen Effekte der langfristigen Perspektive zu realisieren.

Vielen Dank, Herr Aplyn, für das spannende Gespräch und die erkenntnisreichen Einblicke in die Plattform Allthings.

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