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Stadtentwicklung: Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Interview

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker spricht im exklusiven Interview mit der DOMBLICK-Redaktion über die Themen Stadtentwicklung, die Zusammenarbeit mit der Immobilienwirtschaft und Frauennetzwerke im beruflichen Umfeld.

Frau Oberbürgermeisterin, mit dem von Ihnen initiierten Strategieprozess «Kölner Perspektiven 2030» definiert die Domstadt zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern neue Ziele in der Stadtentwicklung. Was ist der aktuelle Stand und welche Schwerpunkte wurden bereits identifiziert?

Bereits in 2017 und 2018 habe ich mich mit der grundsätzlichen Frage «Wie wollen wir in Köln in 2030 leben?» mit den Stadtgesprächen auf den Weg gemacht, um genau über dieses Thema in den Bezirken mit den Kölnerinnen und Kölnern zu diskutieren. Dabei wurden mir in allen Bezirken vor allem die Themen: Mobilität / Verkehr, Wohnen sowie Umwelt und Klima als große Herausforderungen für Köln genannt. Und genau mit diesen Herausforderungen beschäftigt sich die Stadtstrategie «Kölner Perspektiven 2030». Sie versetzt uns in die Lage, gemeinsam und abgestimmt die Stadtentwicklung Kölns voranzutreiben.

Als wachsende Stadt brauchen wir ein Regiebuch, um zukunftsorientiert zu handeln. Das Zielgerüst, das aus fünf Leitsätzen zu den Themen lebenswerte und kompakte Quartiere, dynamische und nachhaltige Wirtschaft, Chancengerechtigkeit, Bildung und Teilhabe, vernetzte Metropole und Klimagerechtigkeit, Umweltschutz und Gesundheit, und insgesamt 27 Zielen besteht, gibt diese Orientierung. Jetzt gehen wir konkret in unsere Stadt und sagen, wo wir welche Entwicklung anstoßen wollen – da Flächen für das Wohnen, dort für die Wirtschaft und hier für Grün.

Wo steht Ihrer Meinung nach Köln in der Stadtentwicklung schon gut da und wo besteht Verbesserungsbedarf?

Köln beschäftigt sich seit vielen Jahren in einer breiten Themenpalette mit der Stadtentwicklung. Es ist schwierig hier einzelne Konzepte oder Programme hervorzuheben. Denn alle beschäftigen sich mit wichtigen Inhalten, haben aber auch immer Auswirkungen auf andere Bereiche. Daher ist es mir wichtig, eine bessere Abstimmung, Verbindung und Verschneidung der Themen zu erreichen. Hier greift auch wieder die Stadtstrategie «Kölner Perspektiven 2030», die die integrierte Betrachtung der Stadtentwicklung in den Fokus des Prozesses gerückt hat.

Bei der Erarbeitung der Meilensteine haben insgesamt mehr als 42 Dienststellen mit(einander)gearbeitet. Das ist eine wichtige Leistung. Wichtiger sind mir aber die Erkenntnisse daraus: Eine einseitige Fachsicht ist langfristig zu kurz gedacht. Viel zielführender sind thematische Vernetzungen und Austausche, also eine integrierte Arbeitsweise. Und daran arbeiten wir – sowohl in der Stadtstrategie, in der Verwaltungsreform und im Verwaltungsvorstand.

Die Immobilienwirtschaft spielt eine der zentralen Rollen in dem mit «Kölner Perspektiven 2030» angestoßenen Strategieprozess. Was erwarten Sie konkret von den Akteurinnen und Akteuren der Immobilienbranche?

Köln ist eine wachsende Stadt. Das zeichnet uns aus und spiegelt die Attraktivität Kölns wider. Laut der aktuellen Bevölkerungsprognose wachsen wir bis 2040 um 70.000 neue Einwohnerinnen und Einwohner und für diese brauchen wir unter anderem Wohnraum. Wir müssen daher eng mit der Immobilienbranche zusammenarbeiten, um den Bedarf zu decken. Mit dem Wohnungsbauforum habe ich daher ein Gremium ins Leben gerufen, in dem wir uns mit öffentlichen und privaten Akteuren zu den wichtigsten wohnungspolitischen Fragestellungen beraten. Auch die Ratspolitik ist hier mit eingebunden.

Darüber hinaus wünsche ich mir, dass Köln eine Stadt für alle ist. Dafür brauchen wir unterschiedliche Wohnangebote – vom sozialen Wohnungsbau, über das preisgedämpfte bis hin zum hochpreisigen Segment. Dafür hat der Rat auch das «Kooperative Baulandmodell» verabschiedet, um Köln für viele Menschen attraktiv zu halten.

Ich möchte keine einseitigen Entwicklungen, in denen sich «Normalverdiener» die Stadt nicht mehr leisten können und wegziehen müssen. Diese Menschen fehlen uns dann als Fachkräfte. Von der Immobilienbrache erwarte ich mir, dass diese unterschiedlichen Bedarfe stärker in den Blick genommen werden und sie die Attraktivität Kölns weiter mit unterstützt und nach vorne bringt.

Wünschen Sie sich mehr Frauen in führenden Positionen der Immobilienwirtschaft?

Bei dem städtischen Tochterunternehmen GAG Immobilien AG führt bereits eine Frau als Vorstandsmitglied den Konzern. Auch beim Verwaltungsvorstand ist die Hälfte der Dezernatsleitungen mit Frauen besetzt. Und ich bin ja auch die erste weibliche Oberbürgermeisterin einer deutschen Millionenstadt.

Ich finde es wichtig, die Rolle von Frauen auch in der Immobilienwirtschaft zu stärken, sich zu vernetzen und sich gegenseitig zu unterstützen. Denn auch die Immobilienbranche macht keine Ausnahme: Frauen kommen hier umso seltener vor, je höher die Führungsebene ist.

Die Berufe in der Immobilienbranche sind sehr vielfältig und haben sich in den vergangenen Jahren insbesondere durch das Stadtwachstum verändert. Hier gibt es vielfältige Möglichkeiten, Frauen zu stärken und in ihren Berufs- und Führungsambitionen zu unterstützen.

Welche Bedeutung hat für Sie professionelles Networking für die Karriere im Allgemeinen und haben Netzwerk-Veranstaltungen, wie etwa die des Vereins «Frauen in der Immobilienwirtschaft e.V.», im Speziellen?

Für mich ist der Meinungsaustausch eine unabdingbare Grundlage meiner Arbeit und meines Handelns. Netzwerken gehört zu einer modernen Berufsauffassung und zu einer vernetzten Gesellschaft existentiell dazu. Männer sind uns Frauen beim Netzwerken durch jahrhundertandauernde Traditionen häufig ein gutes Stück voraus, aber wir holen auf!

Der Verein Frauen in der Immobilienwirtschaft hat sich auf den Weg gemacht, eine öffentlichkeitswirksame weibliche Interessenvertretung zu etablieren und den Anteil Entscheidungsträgerinnen in der Immobilienbranche zu steigern. Die beruflichen Leistungen der dort organisierten Frauen rücken dabei in den Mittelpunkt und machen das Potenzial der Frauen in ihrem Berufsfeld sichtbar. Der Verein ist sehr aktiv und bundesweit aufgestellt. Ich begrüße und unterstütze gerne solche Netzwerke und würde mich freuen, wenn sich noch mehr Frauen in Netzwerken und Vereinen organisieren und ihre Positionen deutlich und selbstbewusst nach außen tragen. Die Gesellschaft hat uns verdient!

Vielen Dank, Frau Oberbürgermeisterin, für das sehr interessante Gespräch.

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