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Aging in Place – Alterswohnen der Zukunft

Carine Hayoz, Gründerin von all arch, Dienstleister im Bereich Architektur und Städtebau, und seit 2018 Vorstandsmitglied bei wipswiss – women in property switzerland, schreibt in ihrem Beitrag über das Thema Alterswohnen und welche Herausforderungen und Lösungen sich derzeit bieten.

Der steigende Anteil älterer Menschen und der Wunsch, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu wohnen, fordert neue und angepasste Immobilien. Es sind Wohnformen zu entwickeln, welche die Bedürfnisse dieses demografischen Marktsegments nach unabhängigem und selbstbestimmtem Wohnen decken. Denn die heutigen und zukünftigen Generationen im Alter sind freiheitsliebend, selbstbestimmt, individualistisch, digital affin und sie leben immer länger und bleiben immer länger gesund in der bestehenden Wohnumgebung.

Herausforderungen mit dem Alter(n)

Der bisher praktizierte Lebensstil bestimmt auch die Vorlieben für die Wahl der Wohnform und der gewünschten Dienstleistungen im Alter. Wer nachbarschaftlich sehr engagiert war, wird sich eher wohl fühlen in Konzepten, in denen Freiwilligenarbeit oder gegenseitige Hilfe vorgesehen ist (Mehrgenerationenwohnen, Genossenschaften, Cluster). Wer eher einen konservativen Lebensstil pflegte, wird sich eher für ein Umfeld entscheiden, in welchem kompetente Ansprechpersonen vorhanden sind (Seniorenresidenzen, Wohnen mit Services).

Je autonomer eine ältere Person lebt, desto öfter werden professionelle Dienstleistungen extern organisiert. Unabhängig von den Kosten und Bedürfnissen, wünschen sich die meisten älteren Personen die Vernetzung innerhalb der Nachbarschaft und eine persönliche Vertrauensperson im Wohnumfeld. Nachhaltig sind also jene Modelle, welche persönliche und nachbarschaftliche Begegnung fördern und damit die Gemeinschaft und das Vertrauen stärken.

Architektonische Lösungen für neue Wohnkonzepte

Die selbstbestimmte und flexible Wahl des Wohnraums und der Services entspricht dem Bedürfnis von Pensionierten. Gefragt sind Wohnungen mit frei wählbaren Dienstleistungen und spezifischen Anforderungen an das Umfeld (Nähe zu Infrastruktur, Dienstleistungen) und eine angepasste Architektur inklusive Hindernisfreiheit und Lift die ein längeres Bewohnen der gewohnten Umgebung ermöglichen. Erforderlich ist sowohl die anonyme Service-Plattform für alle, wie auch der persönlich ansprechbare Handyman/Concierge in der Liegenschaft. Die Pflege in Alterszentren/-heimen ist oft erst bei den über 80-jährigen Senioren ein Thema – wenn überhaupt.

Herausforderung «Altersdemenz»

Mit zunehmender Alterung der Gesellschaft wird die Anzahl an demenzkranken Personen zunehmen. Diese Spezialbauten sind aufwändig und kostspielig und werden die staatlichen Budgets belasten.

Herausforderung «Wohnen in Zentrumslagen»

Das Bedürfnis der älteren Generation nach einer gut erschlossenen Wohnung ist zentral. Unabhängige Pensionierte sind noch stärker auf den Komfort von öffentlicher Verkehr, Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungen und Erholung im unmittelbaren Umfeld angewiesen. Qualifizierte Verdichtung, An- und Aufbauten sind gefordert, um all den jungen und älteren Wohnungssuchenden in die Zentren gerecht zu werden.

Herausforderung «Kleinwohnungen»

Wohnen im Alter heisst Wohnen in einem Kleinhaushalt. Pensionierte leben zu zweit oder alleine, dadurch wird die Nachfrage an Zweieinhalb- und Dreieinhalb-Zimmer-Wohnungen in gut erschlossenen und versorgten Zentrumsregionen weiter zunehmen.

Herausforderung «hindernisfreier Altbestand»

Neue Wohnungen sind heute weitgehend hindernisfrei. Senioren leben jedoch oft in erschwinglichen Altbauwohnungen und möchten im gewohnten Umfeld bleiben. Es sind Grundlagen und Strategien für kostengünstiges, hindernisfreies Umbauen von Altbauliegenschaften zu entwickeln.

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