SVIT, RICS, FIABCI, ULI – hinzu kommen Hochschulen und ihre Alumni-Kreise sowie regionale Vereine mit Bezug zur gebauten und zu bauenden Welt. Die Schweizer Immobilienwirtschaft ist an Netzwerken nicht arm. Für nahezu jede Karrierestufe oder Berufsgattung existiert ein Format. Was aus Sicht von FORE – Future of Real Estate fehlt, ist die Verbindung zwischen ihnen sowie der Zugang zu einer Grösse, die keines dieser Formate allein erreiche.
Das 2022 von drei Studierenden Nico Riegraf-Leahy, Jannik Longin und Dario Markoc gegründete Netzwerk FORE – Future of Real Estate hat in vier Jahren über 4.500 Mitglieder an 16 Standorten in vier Ländern aufgebaut. Zum schnellen Wachstum beigetragen hat der Entscheid, im Juli 2026 die Immobilienjunioren (gegründet 2015, rund 6.000 Mitglieder in 13 Städten und Regionen) in FORE aufgehen zu lassen.
FORE ist für die Mitglieder grundsätzlich kostenfrei, es werden keine Mitgliedsbeiträge erhoben. Finanziert wird das Netzwerk über unternehmerische Kooperationen und Partnerschaften mit Unternehmen aus der Immobilienwirtschaft. „Dadurch können wir den Zugang zur Community und zu den Formaten bewusst niedrigschwellig halten“, sagt Riegraf-Leahy.
Der neue Schweizer Rechtsträger sei im FORE-Organigramm bereits als dritte Länderorganisation neben der deutschen FORE und FORE Österreich angelegt. Aktuell laufe die Besetzung des Management Boards in der Schweiz. Ausgangspunkt ist der bestehende Standort Zürich.
Zum helvetischen Startteam zählen Loïc Kaiser und Andreas Stolz. Diese verantworten den Standort Zürich als Leitende vor Ort. Für die jüngere Generation gibt es zusätzlich bereits FORE NEXT Zürich. Das Team wird von Gokulan Manoharan, Maximilian Heidkamp und Belma Ahmetovic geleitet.
„Kein Markteintritt gegen den Markt“
Die naheliegende Lesart eines solchen Schritts wäre: Ein deutsches Netzwerk expandiert und tritt in Konkurrenz zu den etablierten Schweizer Verbänden. FORE widerspricht dieser Lesart ausdrücklich und die eigene Struktur stützt den Einwand. Denn FORE ist bereits im Heimatmarkt Deutschland nicht als Wettbewerber der bestehenden Netzwerke gewachsen, sondern mittendrin und auf Augenhöhe.
„Wir haben FORE gegründet, weil wir selbst an die Grenzen regionaler, geschlossener Netzwerke gestossen sind“, sagt Nico Riegraf-Leahy im Gespräch mit der DOMBLICK-Redaktion. „Genau deshalb treten wir in der Schweiz nicht an, um ein weiteres Netzwerk neben viele bestehende zu stellen. Es ist kein Markteintritt gegen den Markt. Wer heute in Zürich beginnt, soll denselben Zugang zu Unternehmen, Standorten und Karrierewegen haben wie jemand in München oder Wien“, so sein Credo.
Vorteile der DACH-Struktur
Der Mitgründer beschreibt den konkreten Nutzen des neuen Netzwerks mit dem Zugang zur gesamten DACH-Region. Diesen stellt er in den drei folgenden Punkten dar:
- Reichweite. Ein Schweizer Standort erreicht über die DACH-Struktur ein Mitgliederfeld, das ein national verankertes Format allein nicht aufbauen könnte und umgekehrt werden Schweizer Unternehmen für Talente aus Deutschland und Österreich sichtbar.
- Verhandlungsposition. Unternehmenspartnerschaften werden auf DACH-Ebene verhandelt. Ein Partner, der bislang drei Länder einzeln adressieren musste, führt ein Gespräch. Für kleinere Standorte bedeutet das Zugang zu Partnern, die für sie allein nicht erreichbar wären.
- Formate und Infrastruktur. Veranstaltungsformate, Standortstrukturen, Prozesse und digitale Werkzeuge müssen nicht neu entwickelt werden. Was in 16 Standorten funktioniert, steht dem 17. ab dem ersten Tag zur Verfügung.
„Das ist eine Skalenlogik, wie sie uns aus Plattformmärkten vertraut ist: Eine gewachsene Community im Zentrum, um die herum Produkte entstehen, die einzelne Teilnehmer nicht selbst bauen könnten“, führt Riegraf-Leahy weiter aus. Übertragen auf die Immobilienwirtschaft heisse das: „Nicht das Netzwerk als Selbstzweck, sondern die Koordinationsleistung als eigentliches Produkt.“
Talent als Bindeglied zwischen Netzwerk und Unternehmen
Der ökonomische Kern dieser Struktur liege beim Thema Talent, so der Gründer. Mit FORE Talents betreibt das Netzwerk ein Programm, das Mitgliedern kostenlos offensteht und Unternehmen einen strukturierten Zugang zur Community eröffnet. Weitere Formate – FORE Sports, FORE TECH, FORE FEMALE, FORE Founders – flankieren diesen Anspruch.
Für die Schweiz sei die grenzüberschreitende Komponente relevant, so Riegraf-Leahy. „Der Schweizer Arbeitsmarkt für Immobilienfachkräfte rekrutiert traditionell auch aus Deutschland und Österreich, während Schweizer Absolventinnen und Absolventen umgekehrt an internationalen Standorten sichtbar werden wollen.“ Ein DACH-weites Netzwerk mit gemeinsamer Mitgliederbasis bilde diese Bewegung ab, ohne dass ein Unternehmen dafür drei Netzwerke bespielen müsste, erklärt er.
Eigenständigkeit als Konstruktionsprinzip
Strukturell sei FORE föderal aufgebaut. Jedes Land führe einen eigenen Rechtsträger und ein eigenes Management Board und sei damit auch in Recht, Finanzen und Programm eigenständig. „Verbunden werden die Länder über eine gemeinsame DACH-Ebene, die Marke, Strategie, Standards und länderübergreifende Partnerschaften trägt.“
Für den Aufbau in der Eidgenossenschaft bedeute dies, dass Programmgestaltung, Partnerwahl und Mittelverwendung in der Schweiz entschieden werden – und nicht als Aussenstelle einer deutschen Zentrale operiere, so Riegraf-Leahy. „Gemeinsam ist, was von Grösse profitiert; eigenständig bleibt, was Marktnähe erfordert.“
Ergänzt wird die Struktur um ein neu geschaffenes FORE Advisory Board: Das Gremium besteht aus fünf bis sieben Persönlichkeiten der Branche mit Vertretung aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es wird auf DACH-Ebene tagen und zusätzlich auf lokaler Ebene beraten. „Es hat ausdrücklich keine exekutive Befugnis: Es berät, aber es entscheidet nicht.“ Als Founding Member begleitet derzeit Larissa Lapschies, Gründerin und langjährige Geschäftsführerin der Immobilienjunioren, den Aufbau dieses länderübergreifenden Gremiums.
Die nächsten Schritte
Kurzfristig stehen für den Schweizer Aufbau drei Punkte an: die Besetzung des nationalen Management Boards, der Ausbau des Standorts Zürich über die bestehende Standortleitung hinaus sowie erste gemeinsame Veranstaltungen mit Schweizer Partnern. „Mittelfristig geht es um die Frage, ob das in Deutschland und Österreich erprobte Modell mit einer kostenfreien Mitgliedschaft und Beiträgen durch Unternehmenspartnerschaften, auch in der Schweiz funktioniert.“
Die Antwort hierauf dürfte weniger von FORE selbst abhängen als von der Bereitschaft der Schweizer Branche, Koordination als eigenständigen Wert zu behandeln, meint Riegraf-Leahy, nicht als Konkurrenz zu bereits existierenden Netzwerken.
Getragen wird die Organisation vom Engagement der drei Mitgründer Riegraf-Leahy, Longin und Markoc, einem Management Board sowie von aktuell rund 70 ehrenamtlichen „FOREganizern“ an den 16 Standorten. Auf Social Media erreicht FORE – Future of Real Estate nach Angaben der Gründer monatlich bereits über 200.000 Impressionen. Allein im Jahr 2025 richtete das Netzwerk international mehr als 100 Veranstaltungen aus.
(oben im Bild von links nach rechts: Nico Riegraf-Leahy, Jannik Longin und Dario Markoc)
