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Fünf Fragen an Allthings-CEO Stefan Zanetti

Stefan Zanetti, Gründer und CEO von Allthings, dem Schweizer Proptech-Unternehmen, das seit 2015 mit seiner Plattform für digitales Mietermanagement aktiv am Markt ist. Die DOMBLICK-Redaktion sprach mit ihm über Erfolge, Erfahrungen und das Erobern weiterer Geschäftsfelder.

Fünf Jahre Allthings, Herr Zanetti, Gratulation! Wenn Sie zurückblicken, was waren die Meilensteine und Erfolge Ihres Proptech-Unternehmens?

Sicher war der Start mit der ersten Implementierung auf der Erlenmatt der erste Meilenstein: Wir haben die Plattform ja ursprünglich für ganz andere Branchen gebaut, und dann mit diesem «Zielmarkt-Pivot» in die Immobilienwirtschaft eine perfekt passende Industrie gewonnen. Aber auch die ersten Portfolios mit Privera, Niederer und CS, die Eröffnung der Büros in Berlin oder die ersten Projekte komplett im Ausland, beispielsweise in Lissabon, waren tolle Erfolge. Immer wichtiger sind im Verlaufe der Zeit die Integrationen geworden. Heute sind wir nahtlos verbunden mit führenden ERP-Systemen, wie beispielsweise SAP oder Garaio, haben aber auch globale und dominante Branchenplayer wie Dormakaba, Evva, Kiwi.ki, Glutz, Schweizer oder Renz angebunden, um nur ein paar Beispiele aus der Zutrittskontrolle oder im Paketbox-Umfeld zu nennen. Auch haben sich zahlreiche innovative Lösungen wie eSmart, Batmaid, eeproperty, Sharoo oder Movu und vergleichbare im Ausland in unsere Plattform integriert. Das ist das, was man sich wünscht, wenn man das hehre Ziel verfolgt, eine Plattform zu etablieren.

Gibt es Erfahrungen und Entscheidungen, bei denen Sie heute im Nachhinein sagen, das hätten Sie anders oder besser machen können?

Klar: Konkret würden wir die Internationalisierung anders anpacken und den frühen Signalen im Sinne von Inbound-Requests genauer nachgehen, bevor wir in eigenes Personal im Ausland investieren. Ich würde auch früher einen langjährig erfahrenen CPO anstellen, eine Position, die wir erst zwei Jahre nach dem erfolgreichen Start im Immobiliensektor so wirklich gut besetzt haben. Und ich würde dafür sorgen, dass alle Management-Mitglieder und Teamleads zuerst einmal und dann auch sehr regelmässig mit Kunden unterwegs sind. Aber bitte: Man kann nicht alles richtig machen, auch nicht, wenn man wie wir zum wiederholten Mal eine Firma gründet. In Summe waren und sind wir in sehr vielem erfolgreich gewesen, so dass die Bilanz stimmt.

Kürzlich mussten Sie sich von gut einem Drittel Ihrer Mitarbeitenden trennen. Was waren die Gründe für diesen Schritt?

Ja, das war hart. Wir sind jedes Jahr seit Eintritt in die Immobilienbranche deutlich über 100% gewachsen, was Umsatz und operative Kennzahlen wie Anzahl Nutzer oder neugewonnene Kunden angeht. Auch letztes Jahr sind unsere operativen Kennzahlen mit 60-100% weiterhin sehr gut gewesen, aber unser Umsatz wuchs nur rund 30%. Ausgerechnet dann, als wir eine grosse Wachstumsfinanzierungsrunde abgeschlossen haben und entsprechend Ressourcen aufgebaut haben.

Obwohl wir natürlich unser potentielles Wachstum aufgrund der Pipeline im CRM-System abschätzen und auch konservativ abdiskontieren, haben gleich zwei Handvoll von unerwarteten Verzögerungen in der Umsetzung bei unseren Grosskunden dazu geführt, dass Umsatz und Kostenwachstum zu sehr auseinander lagen. Die Gründe für die Verzögerung sind vielfältig, angefangen damit, dass der Proptech-Hype etwas abgeflaut ist, aber auch, dass die Roll-outs in Portfolios, die unser Wachstum ganz massgeblich prägen, komplexer geworden sind aufgrund zahlreicher Integrationen und Abstimmungen mit anderen Systemen. Aber so ist das eben als Unternehmer: Wir nehmen Risiken, gehen drei Schritte voran, und dann muss man leider manchmal auch einen zurück gehen.

Die notwendige Reduktion der Kosten hat sich dann auf den Mitarbeiterbestand ausgewirkt, denn das ist unser grösster Kostenblock. Unsere ganze Sorge galt darum zuerst auch den Mitarbeitern, die gingen, und auch denjenigen, die die Firma weiter mit vorantreiben. Es hat mich sehr beeindruckt, wie professionell die Mitarbeiter die Situation gehandhabt haben: Praktisch alle, die weiterziehen mussten, sind bis zum letzten Tag mit vollem Commitment dabei gewesen, dafür sind wir sehr dankbar.

Jetzt sind wir immer noch eines der grössten PropTech-Unternehmen, aber etwas kleiner. Und interessanterweise haben wir – wenn wir den Feedbacks unserer Kunden folgen dürfen – keine Schlagkraft eingebüsst. Das erklärt sich auch durch eine Umstellung im Organisationsverständnis: Wir haben uns dahingehend umgebaut, dass wir das Potential unserer Partner noch viel mehr heben können. So wird am Ende mit einem kleineren Team der Output grösser sein.

Herr Zanetti, vielen Dank für diese Offenheit. Wie wird sich Allthings jetzt weiterentwickeln?

2015-2016 sehen wir als unsere Startphase in der Immobilienwirtschaft, 2017-2019 als erste Expansionsphase, die viel gebracht hat, aber uns auch nochmals branchenspezifische Gegebenheiten gezeigt hat, die härter zu knacken sind. Nur sind wir halt auch hartnäckig, und werden diese Knacknüsse nun ganz einfach in der nächsten Phase 2020-2022 adressieren, um noch mehr Potential mit der Plattform zu realisieren. Wir sind beispielsweise nahe daran, Allthings als vollautomatisierte Plattform für alle Mieterinteraktionen über alle Kanäle in den Markt zu bringen, und zwar Inbound wie auch Outbound. Die App bleibt wichtig, aber alle anderen Kanäle wie Email, WhatsApp, SMS, Telefon werden auch abgefangen, verarbeitet und bedient. So erreicht man 100% Abdeckung, und dadurch lässt sich in Folge das enorme Automatisierungspotential im Mietermanagement umfassend realisieren.

Wollen Sie bei Allthings mittel- bis langfristig an Bord bleiben oder könnten Sie sich auch einen Verkauf vorstellen?

Selbstverständlich bin ich hier voll mit an Bord. Wir sind Unternehmer, das Potential ist unverändert gross und wird noch grösser, also machen wir voran. Was sich ändert: Unser Team ist mittlerweile so eingespielt, dass ich mich immer mehr auf die grossen strategischen Linien, Kunden und Partner konzentrieren kann. Das macht mir auch sehr viel Spass. Ich glaube, ich bin auch besser geeignet für den Aufbau von Neuem – oder im Erobern der nächsten Geländekammern – als im operativen Betreiben einer funktionierenden Firma. Was einen Verkauf oder strategische Partnerschaften angeht: jede Firma im Proptech-Umfeld, die etwas taugt, schaut sich laufend alle Optionen an, so auch wir. Aber geplant oder gar notwendig ist überhaupt nichts: Nach der Anpassung unserer Grösse und mit den klaren Schwerpunkten für 2020-2022 sind wir wohl eine der am zielstrebigsten und stabilsten aufgestellten Firmen in unserem Umfeld.

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